17. Sep. 2025

Innovative Lösungen zur Wohnraumanpassung

Casa Carl

Das Team des Albert Schweitzer Instituts für Geriatrie und Gerontologie der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz hat sich mit dem Projekt "Casa Carl: Damit mein Zuhause mit mir alt wird" als Finalist für die Auszeichnung Qualitäts-Team 2025 qualifiziert.

Zu Hause alt werden – ein Wunsch mit Hürden

Die meisten älteren Menschen möchten zu Hause alt werden. Laut Studien betrifft das vier von fünf Personen über 65 Jahre. Doch oft ist ihre Wohnumgebung nicht darauf vorbereitet. Stolperfallen, enge Flure oder mangelnde Barrierefreiheit erhöhen das Sturzrisiko und erschweren den Alltag. Gleichzeitig fehlt es an leicht verständlichen, individuellen Informationen und konkreter Beratung zu möglichen Anpassungen. Auch die Sorge, dass solche Maßnahmen zu teuer oder kompliziert seien, ist weit verbreitet. Im Fall von „Karl-Heinz“, einer beispielhaften Persona, wurde Folgendes deutlich: Er wusste nicht, wo er Hilfe finden kann. Damit ist Karl-Heinz kein Einzelfall.

Für die Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz (GGZ) ist dieses Thema besonders relevant, da sie ein breites Versorgungsangebot für ältere Menschen abdecken – von betreutem Wohnen bis zur stationären Langzeitpflege. Wohnraumanpassung stellt eine wichtige präventive Maßnahme dar, die nicht nur die Lebensqualität der Senior:innen erhöht, sondern auch das Gesundheitssystem langfristig entlastet.

Zum Projekt „Casa Carl: Damit mein Zuhause mit mir alt wird“

Das Projekt „Casa Carl“ entstand aus dem Wunsch, älteren Menschen den Verbleib in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Unter dem Motto „Damit mein Zuhause mit mir alt wird“ entwickelten die GGZ innovative, einfach zugängliche und leistbare Informations- und Beratungsangebote zur Wohnraumanpassung. Das Projekt wurde vom Albert Schweitzer Institut für Geriatrie und Gerontologie initiiert und gemeinsam mit Betroffenen, Angehörigen, Expert:innen sowie regionalen Partner:innen umgesetzt. Durch Co-Creation und Design Thinking wurden zielgruppenorientierte und praxistaugliche Prototypen entwickelt.

Co-Creation im Fokus: Wenn Nutzer:innen zu Mitgestalter:innen werden

Das Projekt wurde als Design Challenge im Rahmen der FFG-Förderschiene „Impact Innovation“ konzipiert. Im Zentrum stand die Zielgruppe bzw. die künftigen Nutzer:innen des Angebots. In mehreren Projektphasen wurden sie aktiv eingebunden: in Ideen-Workshops, Fokusgruppen, Interviews und Design-Sprints. Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit einem breiten Netzwerk an Stakeholdern – von der Stadtverwaltung über Startups bis zu Gesundheitsdienstleister:innen.

Unterschiedliche Prototypen wurden entwickelt, getestet und iterativ verbessert. Die größte Herausforderung bestand darin, einfache, kostengünstige und zugleich wirkungsvolle Lösungen zu schaffen, die sowohl analog als auch digital funktionieren und nicht von kommerziellen Interessen getrieben sind.

Drei Prototypen gelangten in die engere Auswahl:

  • Prototyp 1: Interaktive Infoveranstaltungen mit Expert:innen im Bereich „Wohnraumanpassung“.
  • Prototyp 2: Schulungen für ehrenamtliche „Wohnraumberater:innen“, sogenannte „Wohn-Buddies“.
  • Prototyp 3: Ein mobiler Showroom – der „Leichter leben-Bus“, der direkt in Regionen fährt und Hilfsmittel zum Ausprobieren vorstellt.

Vom Prototyp in die praktische Umsetzung

Casa Carl zeigt, wie durch Nutzerzentrierung und Innovation neue Wege im Gesundheits- und Sozialbereich beschritten werden können. Die entwickelten Prototypen bieten konkrete Unterstützung für ältere Menschen und tragen dazu bei, dass sie länger selbstbestimmt zu Hause leben können. Das Projekt stärkt zugleich das Bewusstsein für Barrierefreiheit und Prävention.

Ein Folgeprojekt, das Projekt „Leichter leben-Raum on Tour“, wurde bereits initiiert. Mit Unterstützung des Rotary Clubs Weiz tourt ein mobiler Schauraum durch Gemeinden, informiert vor Ort und sensibilisiert Menschen aller Generationen für altersgerechtes Wohnen sowie unterstützende Hilfsmittel und Technologien. Die Vision: ein steiermarkweites Angebot.

Unser Ziel ist es, die Ergebnisse langfristig in bestehende Strukturen zu integrieren und neue Standards für Wohnraumanpassung und Beratung im Alter zu etablieren, denn ein selbstbestimmtes Leben im Alter beginnt zu Hause.

Finalist:innen beim Preis „Qualitäts-Team“

Mit dem Projekt „Casa Carl“ wurde das Albert Schweitzer Institut als Finalistin für die Auszeichnung „Qualitäts-Team“ der Quality Austria nominiert. Diese Auszeichnung würdigt nicht nur den innovativen und zukunftsorientierten Ansatz, sondern auch die Teamleistung und den konsequenten Co-Creation-Prozess, bei dem Betroffene, Angehörige und Fachleute gemeinsam an Lösungen tüftelten.

Zu den Autor*innen

Team Geriatrische Gesundheitszentren der Stadt Graz - Albert Schweitzer Institut für Geriatrie und Gerontologie, Auf dem Foto v.l.n.r.: Sandra Dohr, BA MA, Mag.a (FH) Andrea Hold, MA, Julia Wagner, BA MSc, Mag.a (FH) Dr.in Judith Goldgruber, Dr. Wolfgang Kratky, MBAGeriatrische Gesundheitszentren der Stadt Graz | Albert Schweitzer Institut für Geriatrie und Gerontologie

Das Albert Schweitzer Institut für Geriatrie und Gerontologie (ASIGG) wurde 2014 als Forschungs- und Entwicklungsabteilung (F&E) der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz gegründet. Mit seiner Arbeit trägt es zur F&E-basierten, innovativen Weiterentwicklung des Betreuungsangebotes für ältere Menschen bei. Es agiert als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, damit gesellschaftsrelevante Herausforderungen rund um das Thema Altern und Pflege sichtbar gemacht, wissenschaftlich bearbeitet und gelöst werden.

https://ggz.graz.at/albert-schweitzer-institut-fuer-geriatrie-und-gerontologie/

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