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27.02.2019

Statusbericht zur Überarbeitung des EFQM Modells 2020

Evolution oder Revolution?

Autor: Johann Sauermann

Die EFQM hat vor bald einem Jahr den Prozess zur Weiterentwicklung des EFQM Modells gestartet. Ziel ist die Neugestaltung des Modells bis Herbst 2019, um es fit zu machen für die aktuellen und zukünftig erwarteten Herausforderungen. Im Prozess sind Expert*innen, Praktiker*innen und interessierte Anwender*innen aufgerufen sich einzubringen und mitzugestalten. Als erfahrener Assessor und Mitgestalter des Staatspreis Unternehmensqualität vertrete ich seit Sommer 2018 die Quality Austria im Entwicklungsteam.

Nun ist es an der Zeit für eine Zwischenbilanz.

Evolution oder Revolution?

Nachdem die letzte Revision mit 2013 schon einige Jahre zurückliegt, sind die Schwerpunkte für die laufende Überarbeitung passend zu wählen. Und der Trend geht eindeutig in Richtung grundlegender Erneuerung mit folgendem Anspruch:

  • Der Zugang wird erleichtert– nicht nur ausgebildete Experten sind eingeladen das Excellence-Modell anzuwenden. Entsprechend vereinfacht sollen Sprache und einzelne Teile wie die RADAR Logik werden.
  • Der Ansatz wird fokussierter - die Grundkonzepte werden sehr wahrscheinlich keinen eigenen Teil mehr bilden, um Komplexität herauszunehmen und Doppelgleisigkeiten zu vermeiden.
  • Der holistische Zugang untermauert die Abgrenzung zu anderen Ansätzen – die zu betrachtenden, erfolgsrelevanten Themen und Ansätze werden den Rahmen bilden, ohne einschränkende Details für deren individuelle Umsetzung zu fordern.
  • Die Arbeit mit dem Modell wird erleichtert – IT-gestützte Werkzeuge wie eine Anwender-Plattform werden derzeit geprüft bzw. konzipiert, um die Anwendung zu erleichtern und (Assessment-)Prozesse modern und userorientiert zu unterstützen.
  • Externe Bewertung hat weniger Bedeutung – das Modell soll verstärkt der eigenen Entwicklung dienen, die externe Anerkennung bleibt aber als wichtige Quelle für Inspiration und Lernen offen.
  • Wichtige Kernelemente werden bestätigt – die Stakeholder-Orientierung bleibt, so wie die zu erreichende Ausgewogenheit zwischen Vorgehen und Ergebnissen, bestehen.

Und wie könnte das EFQM Modell aussehen?

Der Arbeitsstatus zum Kernstück des Ansatzes, dem aus derzeit 9 Hauptkriterien bestehenden EFQM Modell, tritt in die spannende Phase ein. Basis sind die Ergebnisse einer weltweiten Befragung von Nutzern im Sommer 2018 und ersten Verdichtungen und Diskussionen im Rahmen des EFQM Forums in Wien.

Im letzten Meeting des Entwicklungsteams im Jänner 2019 in London wurden die Eckpfeiler geschärft und mit anwesenden Expert*innen exzellenter Unternehmen wie VAMED-KMB und Philips reflektiert.

Wichtig ist u.a. den Kompromiss zwischen einem durchgängigen Modell zu finden, das in sich stimmig und einfach verständlich ist, und wichtige Botschaften bereits auf der ersten Ebene zeigt. Demgemäß werden zentrale Stakeholder wie Kunden und Mitarbeiter deutlich sichtbar sein.

Es zeichnet sich als neue Gliederung auf der ersten Ebene folgende Dreiteilung ab:

  1. Direction – Das „Warum und Wohin“
    Grundlegende Ausrichtung, Zielbild und Strategie sowie die Führung der Organisation bilden hier die zentralen Inhalte. Der Begriff „Culture“ wird im aktuellen Entwurf angeführt und damit in seiner Wichtigkeit hervorgehoben.
  2. Execution – Das „Wie der Wertschöpfung“
    In dieser zentralen Säule wird der Umgang mit den Interessengruppen aktuell als „Engaging with Stakeholders“ angedacht. Die kundenbezogene Wertschöpfung im Sinne von „Creating Value“ deckt Kernleistungen wie Design, Marketing & Sales und die Leistungserbringung bis zur Auslieferung und Kundenbetreuung ab. Ein weiterer Teil spiegelt das Management der Ressourcen, die die Basis für die Wertschöpfung bilden.
  3. Outcomes – Das „Was“
    Die direkte Wahrnehmung der Leistungen der Organisation durch die Interessengruppen bleibt wie bisher ein wichtiges Ergebnis. Die bisherigen Kriterien 6 bis 9 Ergebnisse werden höchstwahrscheinlich in ein Kapitel zusammengefasst. Ergänzend werden weitere strategisch relevante Leistungen/Outcomes angeführt.

Welche Perspektive sieht die EFQM?

Russell Longmuir steuert die Entwicklungsgruppe und hat als neuer CEO der EFQM ein klares Zukunftsbild zur Modellerneuerung. Speziell der Einsatz einer neu entstehenden Web-Plattform erleichtert die Anwendung des EFQM Ansatzes:

„The new model needs to help organisations land successful change, bring them more agility and help them transform and adapt. What we try to do is encourage more people, users and non-users of the Model, to start using a new diagnostic tool we are currently designing. It will be a powerful management tool to drive change and support the assessment process.”

Wie geht es aktuell weiter?

Nach der weiteren Reflexion und Verfeinerung des Modells auf Ebene 1 werden die Inhalte der einzelnen Teile erarbeitet. Dazu gilt es, die umfassenden Vorarbeiten aus Userbefragungen, Interviews mit Führungskräften und Auswertungen der Megatrends systematisch durchzuarbeiten und zu integrieren. Bis zum Sommer 2019 wird die erste Fassung vorliegen, die getestet und verfeinert wird.

Beim EFQM Forum in Helsinki am 23. / 24. Oktober wird das EFQM Modell 2020 vorgestellt.

Wir bleiben dran und informieren!

Zum Autor

DI Johann Sauermann ist langjähriger Assessor und Trainer im Bereich Unternehmensqualität (EFQM). Er ist Teil der Arbeitsgruppe der EFQM, die sich mit der Neugestaltung des EFQM Modells 2020 beschäftigt und vertritt dort die Quality Austria. Gemeinsam mit Michaela Drascher und Franz Walder hat er den Check Unternehmensqualität entwickelt. Als Unternehmensberater der FACT Consulting unterstützt er Unternehmen in den Kernbereichen Strategie, Prozesse, Führung und Vertrieb. 

www.fact-consulting.com

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Kontakte:

Mag. (FH) Michaela Drascher, MA
Operationsmanagement Unternehmensqualität (EFQM)
E-Mail: michaela.drascher(at)qualityaustria.com
Tel.: (+43 1) 274 87 47-125

Mag. Nicole Mayer, MSc
Business Development Unternehmensqualität (EFQM)
E-Mail: nicole.mayer(at)qualityaustria.com
Tel.: (+43 1) 274 87 47-120