...beim Österreichischen Roten Kreuz
Faktencheck
Mit dem Projekt „Faktencheck“ hat sich das Team aus den Bereichen "Rettungs-, Ambulanz- und Sanitätsdienst" sowie "Prozesse & Qualität" des Österreichischen Roten Kreuzes, Landesverband Wien, als Finalist für die Auszeichnung „Qualitäts-Team 2026“ qualifiziert.
Der Faktencheck wurde als niederschwelliges und transparentes Format geschaffen, um kursierende Gerüchte und Mythen im Bereich Rettungs-, Ambulanz- und Sanitätsdienste aufzugreifen. Dabei werden sowohl organisatorische Fragen als auch fachliche Unsicherheiten oder Themen zur Gesamtorganisation offen adressiert. Ziel ist es, sachlich und ehrlich für Aufklärung zu sorgen und die Gerüchteküche nachhaltig zu reduzieren
Ausgangslage: Wenn Information nicht alle erreicht
Im Bereich Rettungs-, Ambulanz- und Sanitätsdienst arbeiten berufliche Mitarbeitende, Freiwillige, Zivildienstleistende und Mitarbeitende des Freiwilligen Sozialjahrs rund um die Uhr, verteilt über mehrere Standorte. Klassische Kommunikationswege stoßen dabei an ihre Grenzen: Nicht alle sind zu Bürozeiten erreichbar, persönliche Rückfragen sind oft nur schwierig möglich. Die Folge: Gerüchte, Mythen und Halbwahrheiten zu organisatorischen Abläufen oder fachlichen Themen. Diese informell entstandene „Gerüchteküche“ kann den Dienstbetrieb, die Zusammenarbeit und letztlich auch die Qualität der Leistung beeinträchtigen. Mit dem Projekt „Faktencheck“ wurde eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Lösung entwickelt, die dem entgegensteuert und zeigt, wie modernes Qualitätsmanagement Kommunikation nachhaltig verbessern kann und Qualität, Vertrauen sowie Transparenz stärkt.
Die Idee: Ein niederschwelliger Faktencheck
Die Projektidee war ebenso klar wie ambitioniert: eine Anlaufstelle, bei der Mitarbeitende kursierende Gerüchte ohne Hürden, auf Wunsch anonym und mit verbindlicher Rückmeldung überprüfen lassen können. Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen oder Disziplinarmaßnahmen, sondern um sachliche Klärung, fundierte Information und den Abbau von Unsicherheit.
Umsetzung mit bewährten QM-Werkzeugen
Der Faktencheck wurde als Ticket-System in Atlassian Jira umgesetzt, ergänzt durch eine Confluence-Knowledgebase als zentrale Wissensdatenbank. Anfragen werden über ein einfaches Online-Formular eingebracht, automatisch kategorisiert (allgemein, fachlich, organisatorisch) und den zuständigen Bearbeiter:innen zugewiesen. Wesentliche Qualitätsaspekte:
- Klare Reaktionszeiten (erste Rückmeldung innerhalb eines Werktags)
- Verbindliche Bearbeitungszeiten (im Schnitt eine Woche)
- Nachhaltige Nutzung durch Veröffentlichung der beantworteten Fälle in einer durchsuchbaren Wissensdatenbank
So wird jede beantwortete Frage nicht nur individuell geklärt, sondern organisationsweit nutzbar gemacht. Eine klassische Win-Win-Situation aus Sicht des Wissensmanagements.
Nutzen des Projekts und nächste Schritte
Der Faktencheck bewirkt:
- Mehr Transparenz und Vertrauen
Auch unangenehme oder kritische Fragen werden ehrlich und nachvollziehbar beantwortet. Diese Verlässlichkeit stärkt das Vertrauen in Führung, Prozesse und Organisation. Bemerkenswert: Viele Mitarbeitende verzichten freiwillig auf Anonymität – ein klares Signal für Akzeptanz und Vertrauen. - Gleiches Wissen für alle
Durch die öffentliche Dokumentation der Antworten entsteht ein einheitlicher Informationsstand. Wiederholte Gerüchte verlieren an Dynamik, weil belastbare Fakten jederzeit abrufbar sind. - Ruhigere Arbeitsatmosphäre
Als „weicher“, aber zentraler Qualitätsindikator wurde eine spürbar ruhigere Grundstimmung im Arbeitsalltag beobachtet. - Geringer Ressourceneinsatz, hohe Wirkung
Durch die Nutzung bestehender Systeme (Jira, Confluence) konnte das Projekt kosteneffizient und rasch umgesetzt werden. Von der Idee bis zum Live-Betrieb vergingen nur wenige Monate.
Das Projekt entspricht dem Leitbild des Roten Kreuzes sowie strategischen Zielen wie Digitalisierung, Wissensmanagement und Engagement. Trotz der schwer messbaren Natur von Gerüchten zeigen die Qualitätskennzahlen eine klare Tendenz:
- Reduktion der Beschwerden um rund 20 %
- Stabile Einhaltung der definierten Reaktions- und Bearbeitungszeiten
- Hohe Nutzung der Wissensdatenbank
Das Projekt weckt Interesse für andere Bereiche: Weitere Organisationseinheiten des Wiener Roten Kreuzes, wie etwa das Ausbildungszentrum, planen bereits die Übernahme des Modells.
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Gerne sind wir bereit, unsere im Projekt gewonnenen Erfahrungen mit anderen Unternehmen zu teilen, und freuen uns über eine Kontaktaufnahme: pqm@w.roteskreuz.at
Zur Autorin
Herlind Eckhardt ist beim Österreichischen Roten Kreuz, Landesverband Wien, im Bereich Prozesse & Qualität für das Thema PQM Koordination zuständig.
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