Technische Innovationen durch enge Zusammenarbeit von Industrie und Forschung
Sichere Medikation
Mit dem gemeinschaftlichen Projekt „Sichere Medikation im Krankenhaus – Ein Team-, KI- und Barcode-assistiertes System zur Reduktion von Fehlern beim Dispensieren in Krankenhäusern“ wurden das LKH-Univ. Klinikum Graz, Stabstelle Qualitäts- und Risikomanagement, die Research Unit for Safety and Sustainability in Healthcare der Medizinischen Universität Graz und CANCOM AG als „Qualitäts-Team“ ausgezeichnet.
Das Projekt „Sichere Medikation“ (SiMed) verfolgt das Ziel, Fehler im Medikationsprozess im Krankenhaus zu reduzieren und die Patient*innensicherheit nachhaltig zu erhöhen. Ein interdisziplinäres Team aus Qualitäts- und Risikomanagement, Forschung der Medizinischen Universität Graz und dem Industriepartner CANCOM AG entwickelt dafür einen vollständig digitalen Medikationsprozess, der Barcodetechnologie und Künstliche Intelligenz kombiniert, um Medikamentenverwechslungen zu verhindern und die Versorgungsqualität weiter zu steigern
Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen
Das mehrstufige System zur sicheren Medikation wurde aus einer Kombination aus bestehenden Methoden und neuen Technologien entwickelt und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung der wichtigsten Fehler bei der Medikamentenvorbereitung. Die Jury hob besonders den neuen Lösungsansatz hervor, der nicht nur ein neues Sicherheitsniveau erreicht, sondern auch über ein sehr hohes Potenzial verfügt, in verschiedensten Organisationen ausgerollt zu werden.
Kurzvorstellung des Projekts SiMed (Sichere Medikation)
Die Medizinische Universität Graz, die Steiermärkische Krankenanstaltenges.m.b.H. (KAGes) und der Digitalisierungsspezialist Cancom haben eine Forschungskooperation gestartet, um die Sicherheit in der Medikamentenausgabe im Krankenhaus entscheidend zu verbessern. Das Projekt wird durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft unterstützt.
Ziel des Projektes ist es, Pflegekräfte durch die Implementierung innovativer Technologien nachhaltig im Klinikalltag zu unterstützen. Im Zentrum dabei steht die Erforschung eines sicheren Medikationsprozesses und die Entwicklung eines KI-gestützten Systems (Projekt „SiMed – Sichere Medikation“) das an Hand von Bildern befüllter Dispenser überprüft, ob Patient*innen die richtigen Medikamente in der korrekten Dosierung gemäß ärztlicher Verordnung erhalten.
Ausgangssituation und Problemstellung
Die Medikamentenausgabe gehört zu den sensibelsten Prozessen im Krankenhaus. Trotz etablierter Sicherheitsmechanismen – wie dem klassischen Vier-Augen-Prinzip – kommt es häufig zu Fehlern bei der Umsetzung der medikamentösen Therapie. Diese entstehen häufig durch Zeitdruck, hohe Arbeitsbelastung der Pflege oder komplexe Medikationspläne.
Zusätzlich provozieren Faktoren wie Polypharmazie, Generika und eine hohe Anzahl an Austauschpräparaten sowie „Look-“ und „Sound-alikes“ Fehler bei der Dispensierung.
Diese Entwicklungen erhöhen die Anforderungen an das klinische Personal und machen zusätzliche, zuverlässige Unterstützungssysteme notwendig.
Umsetzung und Herausforderungen
Das Forschungsprojekt kombiniert mehrere technologische Ansätze zu einem integrierten Sicherheitssystem in der Medikamentenvergabe: Durch KI-gestützte Bilderkennung werden Medikamente visuell erfasst. Die Medikamente im sogenannten Dispenser werden mit der ärztlichen Verordnung abgeglichen, um Dosierungs- und Zuordnungsfehler frühzeitig zu erkennen. Ergänzend sorgen Barcode-Scans dafür, dass Medikamente nur der richtigen Person zugeordnet und ausgegeben werden.
Entscheidend für die erfolgreiche Implementierung ist vor allem die bestmögliche Anpassung an bestehende Abläufe und Akzeptanz durch das Personal.
Nutzen des Projekts und nächste Schritte
Der Mehrwert des Projekts ist erheblich: Durch die Kombination aus menschlicher Expertise und maschineller Präzision kann die Patient*innen-Sicherheit nachhaltig verbessert werden. Fehler in der Medikamentenvergabe werden frühzeitig erkannt und idealerweise vollständig vermieden.
Gleichzeitig trägt das System zur Entlastung des Personals bei. Routinetätigkeiten werden unterstützt, Kontrollprozesse effizienter gestaltet und die kognitive Belastung reduziert. Dies schafft Freiräume für die direkte Patient*innen-Betreuung – einen zentralen Qualitätsfaktor im Gesundheitswesen.
Im laufenden Jahr wird SiMed umfassend evaluiert. Dabei geht es nicht nur um technische Kennzahlen wie Erkennungsgenauigkeit, sondern auch um praktische Aspekte: Wie verändert sich der Arbeitsalltag? Wie hoch ist die Akzeptanz? Und welchen messbaren Einfluss hat das System auf die Patient*innen-Sicherheit?
Mittelfristig ist geplant, die gewonnenen Erkenntnisse in den Regelbetrieb zu überführen und auf weitere klinische Bereiche auszuweiten. Die Research Unit for Safety and Sustainability in Health Care sowie die Klinische Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der Med Uni Graz spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie verbinden Forschung mit praktischer Umsetzung und leisten so einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung einer sicheren und nachhaltigen Gesundheitsversorgung.
Fazit
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie durch enge Zusammenarbeit von Industrie und Forschung technische Innovationen geschaffen werden können, die schon bald reale Herausforderungen im Gesundheitswesen lösen. Dafür eröffnet die Verbindung von KI, klinischer Expertise und interdisziplinärer Zusammenarbeit neue Wege für mehr Sicherheit – genau dort, wo sie am wichtigsten ist: bei den Patient*innen.
Zur Autorin
Dr. Magdalena Hoffmann ist stellvertretende Leitung der Stabstelle Qualitätsmanagement und Risikomanagement im LKH-Univ. Klinikum Graz.
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