Inspiration to go am Excellence Day
Drei Good Practices mit Vorbildcharakter
Wie entstehen innovative Lösungen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen und gleichzeitig Organisationen zukunftsfit machen? Drei beeindruckende Good Practices, die von den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz beim Excellence Day im Rahmen von „Inspiration to go“ vorgestellt wurden, lieferten darauf inspirierende Antworten. Ob altersgerechtes Wohnen, digitale Unterstützung in der Pflege oder neue Formen der Zusammenarbeit – alle Projekte zeigen, wie durch konsequente Einbindung der Betroffenen, Mut zur Veränderung und kontinuierliche Verbesserung nachhaltige Innovationen entstehen.
Geriatrische Gesundheitszentren der Stadt Graz
Die Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz (GGZ) sind ein Kompetenzzentrum für Altersmedizin und Pflege. Das Unternehmen gliedert sich in drei Geschäftsbereiche: Krankenhaus, Pflegewohnheime und Betreute Wohnformen und Tageszentren für ältere Menschen.
Die GGZ sind Gewinner Staatspreis Unternehmensqualität 2025 und wurden als Exzellentes Unternehmen Österreichs ausgezeichnet.
Casa Carl: Gemeinsam Lösungen für selbstbestimmtes Wohnen entwickeln
Das Projekt „Casa Carl – Damit mein Zuhause mit mir alt wird“ entstand aus einer klar identifizierten Herausforderung: Vielen älteren Menschen fehlen leicht zugängliche Informationen zur altersgerechten Wohnraumanpassung. Statt vorschnell Lösungen zu entwickeln, wurde zunächst gemeinsam mit Seniorinnen und Senioren sowie weiteren Anspruchsgruppen untersucht, wie das Problem tatsächlich erlebt wird.
Mithilfe von Fokusgruppen, Interviews und Design-Thinking-Sprints entstanden schließlich drei praxisnahe Prototypen: Niederschwellige Informationsveranstaltungen, die Ausbildung ehrenamtlicher Multiplikator:innen sowie der mobile „Leichter leben-Bus“, der den Senior:innen altersgerechte Assistenzsysteme direkt in den Gemeinden vorstellt.
Besonders hervorzuheben ist der konsequente Co-Creation-Ansatz, der sich durch alle Projektphasen zog. Die zentrale Erkenntnis: Wer Stakeholder frühzeitig und kontinuierlich einbindet, entwickelt passgenaue Lösungen und stärkt gleichzeitig die Qualität der Zusammenarbeit. Ergänzt durch einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess nach dem PDCA-Zyklus entstand eine Good Practice, die zeigt, wie Innovation gemeinsam mit der Zielgruppe gelingt.
ILVI: Digitalisierung entlastet die Pflege
Mit dem Projekt ILVI (mobiles Eingabesystem zur Datenerfassung) setzen die Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz auf eine intelligente Digitalisierung der Pflegedokumentation. Ausgangspunkt waren zahlreiche Herausforderungen im Pflegealltag: Unterschiedliche Endgeräte, aufwendige Dokumentationsprozesse und fehlende Vernetzung von Medizinprodukten.
Von Beginn an arbeitete ein interdisziplinäres Projektteam aus Pflegeexpert:innen und externen Partner:innen eng zusammen. Neue Funktionen wurden direkt auf den Stationen getestet, das Feedback der Anwender:innen floss unmittelbar in die Weiterentwicklung ein. Diese agile Vorgehensweise ermöglichte eine Lösung, die sich konsequent an den Bedürfnissen der Praxis orientiert.
Heute können medizinische Werte, Bilder und Scans automatisiert übertragen und direkt am Point of Care dokumentiert werden. Gleichzeitig bildet ILVI die Grundlage für zahlreiche zukünftige Erweiterungen. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, dass Digitalisierung dann erfolgreich ist, wenn sie nicht Technik in den Mittelpunkt stellt, sondern die tägliche Arbeit der Menschen spürbar erleichtert.
Pflegewohnheim Peter Rosegger: Selbstorganisation stärkt Teams
Auch die beeindruckende Organisationsentwicklung im Pflegewohnheim Peter Rosegger wurde vorgestellt. Ausgangspunkt waren Herausforderungen wie hohe Arbeitsbelastung, häufige Personalwechsel, starre Dienstzeitmodelle und ein geringes Teamzugehörigkeitsgefühl.
Mit einer neuen Kreisstruktur, flexiblen Dienstplanmodellen, festen Teams, einer Administrationsassistenz und digitalisierten Abläufen wurde die Organisation grundlegend weiterentwickelt. Das Ergebnis sind eine höhere Zufriedenheit bei der Dienstplanung, eine stärkere Bezugspflege, verbesserte Kommunikation sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie – ohne Einbußen bei der Betreuungsqualität.
Besonders deutlich wurde dabei, dass Selbstorganisation kein kurzfristiges Projekt, sondern ein langfristiger Veränderungsprozess ist. Entscheidend für den Erfolg waren Transparenz, die aktive Einbindung aller Mitarbeiter:innen sowie die Bereitschaft des Managements, Veränderungen offen zu begleiten und gemeinsam zu gestalten.
Gemeinsame Erfolgsfaktoren
Ob soziale Innovation, Digitalisierung oder Organisationsentwicklung – alle drei Good Practices verdeutlichen, dass nachhaltige Verbesserungen dort entstehen, wo Menschen aktiv eingebunden werden. Co-Creation, professionelle Zusammenarbeit, iterative Entwicklung und kontinuierliches Lernen erwiesen sich als zentrale Erfolgsfaktoren. Die vorgestellten Beispiele liefern damit wertvolle Impulse für Organisationen, die ihre Zukunft aktiv gestalten und Exzellenz nachhaltig weiterentwickeln möchten.
Fotocredit: www.annarauchenberger.com / Anna Rauchenberger - Wien, Austria - 17.06.2026 - Quality Austria Excellence Day, Erste Campus
Zu den Autorinnen

Marlies Brugger, MA, leitet seit 2024 das Qualitätsmanagement und war davor 10 Jahre in der strategischen und operativen Planung in den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz tätig.

Katharina Lechner, MA, ist im Qualitäts- und Risikomanagement und in der strategischen und operativen Planung in den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz tätig.

