27. Mrz 2019

Warum sich jedes Unternehmen um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kümmern sollte

Because it’s 2019!

Tja, warum sollte sich jedes Unternehmen mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auseinander setzen? Salopp formuliert könnte man an dieser Stelle einfach ein leicht abgewandeltes Zitat von Justin Trudeau heranziehen und ohne weitere Kommentare für sich stehen lassen: „Because it’s 2019!“ (Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hatte 2015 das Kabinett mit einem ausgewogen Verhältnis 50% Männer : 50% Frauen besetzt und mit dem Satz „Because it’s 2015.“ begründet.) Im Berufsalltag ist dann allerdings doch regelmäßig zu merken, dass offenbar mehr Argumentation nötig ist.

Welche Auswirkungen haben familienfreundliche Maßnahmen auf Unternehmen?

Mit dieser Frage hat sich unlängst das Österreichische Institut für Familienforschung (ÖFI) an der Universität Wien in Kooperation mit der Familie & Beruf Management GmbH wissenschaftlich auseinandergesetzt (Wernhart, Halbauer, Kaindl (2018): Auswirkungen familienfreundlicher Maßnahmen auf Unternehmen. Eine Untersuchung bei auditierten Unternehmen. Working Paper Nr. 89: (ÖIF), Wien).

Befragt wurden all jene österreichischen Unternehmen, die das Audit berufundfamilie durchlaufen hatten. Die Studie gelangte zu sehr interessanten zentralen Aussagen.

Nach dem Audit stellten die Unternehmen massive Verbesserungen im Vergleich zu ihrer jeweiligen Ausgangssituation fest:

  • die Bindung der MitarbeiterInnen an das Unternehmen wurde erhöht
  • der Wiedereinstieg nach der Karenz wurde verbessert
  • die Arbeitszufriedenheit unter den MitarbeiterInnen nahm zu
  • das Image des Unternehmens wurde aufgewertet

Außerdem wurden signifikante Auswirkungen einzelner gesetzter Maßnahmen auf relevante Teilbereiche sichtbar:

  • Arbeitszeitorganisatorische Maßnahmen und flexible Kinderbetreuungsangebote seitens der Unternehmen führen zu einer höheren Arbeitszufriedenheit unter deren MitarbeiterInnen.
  • Vorteile bei der Akquirierung neuer MitarbeiterInnen konnten von Unternehmen mit flexiblen Arbeitszeiten und einem guten Employer-Branding aufgrund ihrer Familienfreundlichkeit erzielt werden.
  • Frauen in Führungspositionen sind verstärkt in jenen Unternehmen zu finden, welche Teilzeit für Führungskräfte und Job-Sharing für Führungskräfte implementiert haben.

Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit

Und natürlich wird auch der ökonomische Aspekt betont: Es gibt klare Zusammenhänge zwischen der Arbeitszufriedenheit, die ja in direkter Relation zu der Produktivität der MitarbeiterInnen steht, und der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Das Image des Unternehmens nach außen, die Mitarbeiterbindung zum Unternehmen und Frauen in Führungspositionen stehen ebenfalls im positiven Zusammenhang mit der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Exzellente Unternehmen sind viele Schritte voraus

In meiner Tätigkeit als Gutachterin für das Audit berufundfamilie sowie als Assessorin im Staatspreis Unternehmensqualität bestätigt sich immer wieder: Exzellente Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Auf die Frage nach dem „WARUM“ erhalte ich häufig diese Antworten:

  • Die wirtschaftlichen Gründe: Erhöhung der Mitarbeiterbindung, dadurch Reduktion der Fluktuation und folglich deutliche Einsparungen bei den Rekrutierungskosten
  • Stärkung der Arbeitgebermarke, bessere Chancen im „War for Talents“ und in der Gewinnung von Fachkräften

Außerdem besteht der Anspruch, mehr Frauen in Führungsposition zu bekommen oder aber auch, Führung in Teilzeit zu verstärken oder die Aufstockung von Teilzeit auf Vollzeit zu erleichtern.

Mit all diesen Maßnahmen können Unternehmen langfristig dazu beizutragen, den Gender Pay Gap zu minimieren.

Nicht nur ein „Frauenthema“

Die besonders exzellenten Unternehmen haben außerdem erkannt, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur ein „Frauenthema“ ist, sondern dass (hier sind wir wieder bei der Aussage „It’s 2019“) naturgemäß auch Männer davon betroffen sind. Exzellente Unternehmen ermutigen daher aktiv die männliche Belegschaft, Karenz in Anspruch zu nehmen und sich um Kinderbetreuung zu kümmern (und sie stellen die Rahmenbedingungen dafür sicher). Außerdem ist das Verständnis dafür groß, dass Betreuungspflichten nicht nur auf Kinder begrenzt sind sondern Betreuungspflichten durchaus auch häufige ältere Familienangehörige betreffen. Exzellente Unternehmen leisten auch hierbei Unterstützung.

Was mir in der Praxis ebenfalls besonders aufgefallen ist, dass sehr viele Unternehmen, den Familienbegriff durchaus modern interpretieren und sich vom klassischen, traditionellen Familienbild wegbewegen (Stichwort Diversity und neue Familienbilder).

Unternehmen haben bei all diesen Themen eine sehr große Vorbildwirkungen. Sie tragen maßgeblich dazu bei, gesellschaftliche Bilder zu formen und Strukturen aufzubrechen.

Braucht es noch mehr Argumente, warum es wichtig ist, sich mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie auseinanderzusetzen?

Zur Autorin

Netzwerkpartner

Mag. (FH) Michaela Drascher, MA

Project Assistant QMD Services

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