18. Aug 2021

Vision, Inspiration, Motivation - kurz: Excellence

Her mit den Maßnahmen: Der Weg ist das Ziel!

Besonders gern gelesene Artikel möchten wir in unserer Reihe "Alt aber gut" wieder zur Lektüre empfehlen. Viel Spaß beim (noch einmal) Lesen!

 

Organisationen, die für sich den Anspruch von Excellence erfüllen wollen, brauchen eine konkrete Vorstellung davon, wie sie der Zukunft begegnen, wie sie auf die Zukunft reagieren und nicht zuletzt, wie sie die Zukunft mitgestalten wollen. Dies kann nur über Führungskräfte erreicht werden, die sich dieser Rolle und Verantwortung bewusst sind. Sie sind es, die für die Organisation eine Richtung vorgeben und einen klaren strategischen Fokus entwickeln, fixieren und allen Beteiligten kommunizieren. Doch was sich als selbstverständlich liest, ist bei weitem nicht so einfach in der Praxis umzusetzen. Genau dieser Herausforderung muss sich aber grundsätzlich jedes Unternehmen stellen. Exzellente Unternehmen müssen diesen Anspruch an sich selbst noch viel mehr stellen. Was aber ist das Problem dabei?

Jetzt lassen Sie uns mal mit den Maßnahmen beginnen…

In Interviews mit Unternehmern, Vorständen, Geschäftsführern oder anderen Führungskräften in Organisationen stelle ich gerne folgende inhaltliche Eingangsfrage: „Vielleicht können wir damit beginnen, dass wir über Ihre Unternehmensziele sprechen?“ Eine relativ einfache Frage.

Aber ganz so einfach scheint sie dann doch nicht zu sein. Denn die Antworten, die ich daraufhin sehr oft erhalte, könnten unterschiedlicher nicht sein. Eine Variante dabei ist: „Wir werden bis Ende Jänner nächsten Jahres eine neue Produktionslinie aufbauen!“ Eine andere Variante ist: „Wir eröffnen bis Ende des Jahres eine neue Filiale in Graz!“

Zugegeben, das sind natürlich Ziele. Sie sind spezifisch, sie sind messbar und so weiter. Die immer wieder geforderte SMART-Formulierung für Ziele ist sicher gegeben; immer das Kaplan´sche Motto vor Augen „If you can´t measure it, you can´t manage it“. Jedoch muss sich an dieser Stelle die Frage aufdrängen, welche Bedeutung diese Ziele für das Unternehmen haben. Wenn die neue Produktionslinie aufgebaut und etabliert ist oder die neue Filiale in Graz eröffnet hat: Ist das dann für das Unternehmen gut? Und wenn ja, wovon auszugehen ist, was genau ist daran dann gut? Die Frage, die sich bei diesen Zielen nämlich immer stellt, ist die: Wozu mache ich das? Wozu eine neue Produktionslinie? Wozu eine Filiale in Graz? Erst mit der Beantwortung dieser kurzen Frage, ist eine Annäherung an die eigentlichen Unternehmensziele möglich. Die Produktionslinie und die Grazer Filiale scheinen nur Maßnahmen zu sein, um etwas Anderes, etwas Größeres zu erreichen.

Vor einiger Zeit kam mir ein Cartoon in die Hände. Ein Geschäftsmeeting an einem großen Konferenztisch wurde darauf dargestellt. Und der Leiter des Meetings meinte dann eben: „Jetzt lassen Sie uns mal mit den Maßnahmen beginnen …

… dann fallen uns die Ziele schon wieder ein.

So lautete der zweite Teil des Satzes des Meetingleiters. Mit anderen Worten: Der Weg ist das Ziel. Das scheint für Spaziergänge im Schlosspark von Schönbrunn eine ganz geeignete Vorgehensweise zu sein. Aber Unternehmensziele unterscheiden sich von Spaziergängen nicht nur in Nuancen. Selbstverständlich steckt auch eine wesentliche Gemeinsamkeit dahinter. Sowohl beim Spaziergang im Schlosspark, als auch bei der Eröffnung einer Filiale in Graz habe ich eine Vorstellung von dem, was ich erreichen will. Mit anderen Worten: eine Vision von der Zukunft. Ich spaziere nicht einfach so durch den Park, ohne zu wissen, was ich da eigentlich soll. Die Vision dahinter ist, dass ich mich vom Alltag ablenken, mich an der Anlage des Parks, an den Blüten, an den anderen Menschen erfreuen will und damit am Ende des Spaziergangs erholt bin. Ebenso gibt es die Vision hinter der Grazer Filiale. Die Erhöhung der Kundennähe, die Verkürzung von Logistikwegen oder die Erschließung eines neuen Marktes könnten solche Überlegungen sein.

Viele Wege führen zum Ziel - oder nach Graz

Mit der explizierten Antwort auf die Frage „Wozu mache ich das überhaupt?“ ergeben sich mindestens zwei Optionen – nicht nur für exzellente Organisationen.

Option 1: Das dahinterstehende Ziel meiner getroffenen Entscheidung für eine Maßnahme liegt nun offen vor mir. Und so erkenne ich vielleicht, dass gerade die Ablenkung das Ziel meines Spaziergangs in Schönbrunn ist. Bei einer weiteren Betrachtung des Ziels „Ablenkung“ stelle ich dann fest, dass vielleicht Schönbrunn nicht die Ideallösung, also nicht die ideale Maßnahme ist. Es sind dort nämlich viel zu viele Menschen. Die Konsequenz daraus könnte sein: Ich verwerfe den Spaziergang in Schönbrunn und gehe stattdessen in einen Wald, wo weniger Menschen anzutreffen sind. Das ist ein sehr einfaches Beispiel. Grundsätzlich ergibt sich aber aus einem formulierten „Wozu-Ziel“ eine andere Bewertungsgrundlage. Und diese kann dann dazu führen, dass die ursprünglich getroffene Entscheidung zugunsten einer besseren Alternative zurückgenommen wird. Denn nicht zuletzt ist auch die Flexibilität eine notwendige Voraussetzung für Führungskräfte in exzellenten Organisationen.

Option 2: Das dahinterstehende Ziel meiner getroffenen Entscheidung für eine Maßnahme liegt nun offen vor mir. Und so erkenne ich vielleicht, dass es eigentlich noch viele weitere Möglichkeiten gibt, die zu diesem Ziel führen. Die Grazer Filiale ist sicher geeignet, den Grazer Markt zu erschließen. Aber alleine die Filiale wird das nicht erreichen können. Damit ist es also nicht getan. Es braucht noch andere, weitere Maßnahmen, die vielleicht das Marketing, den Vertrieb, Kooperationen und so weiter betreffen.  Grundsätzlich ergibt sich also aus einem formulierten „Wozu-Ziel“ ein erweiterter Blick auf zusätzliche Notwendigkeiten. Dies kann dazu führen, dass die ursprünglich getroffene Entscheidung für eine Filiale in Graz erheblich ergänzt werden muss, um das dahinterstehende Ziel effektiv erreichen zu können. Denn wenn auch nicht alle, aber so führen dennoch viele Wege nach Graz.

Ein Ziel – und alle machen mit

Wenn viele Wege nach Graz führen, dann ist das per se eine hervorragende Ausgangsbasis – sofern ich nach Graz will. Das heißt: Es muss der Führungskraft klar sein, dass Graz das Ziel ist und es muss vor allem alles dafür getan werden, damit allen Beteiligten und hier allem voran den Mitarbeitenden klar ist: Wir wollen nach Graz. Wenn Führungskräfte nun in der Lage sind, ihre Leute nach ihren Fähigkeiten, Kompetenzen und Leistungsniveaus einzusetzen, dann werden die bekannten und mit großer Wahrscheinlichkeit auch unbekannte Wege nach Graz erschlossen und gegangen. Die Fülle der Optionen steigt mit der Anzahl der beteiligten motivierten Mitarbeitenden. Aber eben nur, wenn das Ziel bekannt und verstanden ist. Und dann ist es auch einerlei, ob das Ziel nun Graz, Ablenkung, Markterschließung oder was auch immer ist. Denn: Der Weg ist und bleibt nicht das Ziel.

Zum Autor

Portrait Markus ReimerDr. phil. Markus Reimer ist international gefragter Keynote-Speaker zu den Themen Innovation, Qualität, Wissen und Agilität. Ebenso ist er qualityaustria Netzwerkpartner, Auditor und Trainer.

www.markusreimer.com

 

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