03. Jun 2019

Ein Assessmentzyklus beim AMS Österreich

Vielseitig wie das Leben

Vor etwas über einem Jahr wurde ich vom Team Unternehmensqualität der Quality Austria mit der Frage kontaktiert, ob ich Interesse daran hätte, im Jahr 2019 beim AMS-Assessment dabei zu sein. Die Gelegenheit, das Arbeitsmarktservice Österreich einmal besser kennenzulernen, wollte ich natürlich keinesfalls auslassen.

Warum die Anfrage bereits ein Jahr vor den eigentlichen Assessmentterminen kam, wurde mir alsbald bewusst. Schließlich ging es bei diesem Assessment nicht um die Bewertung einer Regionalstelle oder eines Bundeslandes sondern um das gesamte AMS – immerhin eine Organisation die neben der Bundesgeschäftsstelle und neun Landesgeschäftsstellen noch knapp über 100 Regionalgeschäfts- und Zweigstellen zählt. In Summe arbeiten über 5000 Mitarbeiter des Arbeitsmarktservice daran, Mensch und Arbeit zu verbinden. Das AMS ist das führende Dienstleistungsunternehmen am Arbeitsmarkt in Österreich, es vermittelt Arbeitskräfte und unterstützt Arbeitsuchende und Unternehmen durch Beratung, Information, Qualifizierung und finanzielle Förderung.

 

#weiter – was tut sich so im AMS?

Seit der Ausgliederung des „Arbeitsamts“ aus der Bundesverwaltung im Jahr 1994 ist viel passiert. Das neue „Arbeitsmarktservice“ konnte durch die Konzentration auf seine Kernaufgabe - Mensch und Arbeit zusammenzubringen - und die Erhöhung der Kund*innenorientierung, Effektivität und Effizienz sowie die Akzeptanz in der Öffentlichkeit wesentlich steigern.

Lediglich das Image des AMS in der breiten Öffentlichkeit ist teilweise eher negativ behaftet – oft begründet durch persönliche Erfahrungen von Kunden, kritische Medienberichte und negative Mundpropaganda. Schlichtweg ist hier auch zu erwähnen, dass die Ausgangslage mit diesem schwierigen Kerngeschäft sicher keine einfache ist, um in der Beliebtheitsskala ganz oben zu punkten.

Ich selbst hatte bis zu meinen Assessment-Terminen gar keine persönliche Befindlichkeit zum AMS und dessen Arbeit, hatte ich doch auch nur ein einziges Mal, vor über 20 Jahren, kurzen Kontakt als Kundin. Meine Erinnerung daran ist neutral. Ich versuchte also, diese nicht vorbelastete Haltung in das Assessment mitzunehmen, um mir mein eigenes Bild zu machen.

Besonders spannend war nämlich, dass sich das AMS in diesem Jahr das erste Mal als Gesamtorganisation bewerten lassen wollte, und hier von den Assessoren unter anderem auch die Durchgängigkeit des Selbstverständnisses, der Kommunikation und der Prozesse - und das auf allen Ebenen - betrachtet wurde. Das Gesamt-Assessment wurde in der Bundesgeschäftsstelle eröffnet und nach Besuchen bei ausgewählten Landes- und Regionalstellen auch ganz bewusst dort wieder geschlossen.

Mit einem sehr umfangreichen Bewerbungsdokument versorgt, mehreren Vorbereitungsterminen in den Assessorenteams und insgesamt 9 zu besuchenden Geschäftsstellen (verschiedener Größe und Hierarchieebenen) mit meiner Beteiligung, hatte ich gute Gelegenheit, viele Eindrücke zu sammeln und das AMS kennenzulernen.

Gemeinsam mit den Lead-Assessoren wurden nach einem viermonatigen Assessmentzyklus die individuellen Wahrnehmungen in ein Gesamtbild zusammengeführt und die Gesamtbeurteilung vorgenommen.

 

Der Arbeitsmarkt ist in Bewegung – das AMS auch - zum Dritten Mal Finalist im Staatspreisbewerb!

Bereits seit 1999 beschäftigt sich das Arbeitsmarktservice mit dem Thema Unternehmensqualität nach EFQM und führt seither in regelmäßigen Abständen Self-Assessments und auch Bewertungen durch externe Assessoren nach dem EFQM Excellence Modell durch. Durch die internen und externen Assessments in den verschiedenen Geschäftsstellen des AMS ergibt sich die Möglichkeit des Vergleichs und des voneinander Lernens und damit das Potential für kontinuierliche Verbesserung und Weiterentwicklung. Mehr über das Qualitätsmanagement im AMS gibt es auch hier nachzulesen.

Die Auswirkungen dieser langjährig gelebten Kultur des „Strebens nach Excellence“ durfte ich persönlich im AMS erleben und es hat mich nachhaltig beeindruckt, wie Mitarbeiter aller Ebenen mit Herzblut und Begeisterung für die Erreichung der Organisationsziele arbeiten.

Ich konnte das AMS als eine lernorientierte Organisation erleben, die trotz ihrer Größe und den engen rechtlichen Rahmenbedingungen schnell und effektiv auf Veränderungen reagiert. Die föderale Struktur des AMS trägt zu einem gesunden Wettbewerb innerhalb des Unternehmens bei und ist fruchtbarer Boden für Innovationskraft und Verbesserungen aus den Bundesländern und Regionen. Erfolgreiche Best Practices daraus werden von der Gesamtorganisation übernommen und flächendeckend ausgerollt, und derer Beispiele gibt es viele!

 

Assessment & Feed-Back-Report – „Win – Win – Situation für beide Seiten“

Neugierig geworden? Ich bin überzeugt, dass ich mehrere Seiten mit meinen Eindrücken von den vielen Besuchen dieser beeindruckenden Organisation füllen könnte. Für mich persönlich war dieses umfangreiche Assessment ein echtes Highlight, eine tolle und wertvolle Erfahrung, bei der ich sehr viel mitnehmen konnte und die ich interessierten Assessor*innen empfehle.

Für den Bewerber ist einer der klaren Vorteile der Teilnahme beim Assessment zum Staatspreis sicherlich der Feedback Report. Dieser fasst die Wahrnehmungen der Assessoren-Teams anhand von Stärken und Verbesserungspotentialen zusammen und kann zu weiteren Verbesserungen in Richtung Excellence genutzt werden. Dass dies im AMS Österreich systematisch getan wird und die „Kultur der Excellence“ bei den Menschen in der Organisation angekommen ist, hat uns das Assessment zum Staatspreis gezeigt.

 

We, us, more – Kultur macht den Unterschied

Für Bewerber und Assessoren gleichermaßen ist natürlich die Veranstaltung zur Staatspreisverleihung ein toller Event: Eine Gelegenheit sich wiederzusehen und Erfolge mit gleichgesinnten Organisationen und deren Hauptakteuren, den handelnden Menschen, zu feiern. Eine inspirierende Veranstaltung, die mit tollen Inputs zum persönlichen Austausch anregt. Besonders freue ich mich in diesem Jahr, dass mit dem AMS die Organisation meines Assessoren Teams bei den Finalisten ist - eine herausragende Leistung und ein Grund zum Feiern!

Zur Autorin

Portrait Silvia Schaffner Mag.(FH) Silvia Schaffner kommt ursprünglich aus der Tourismusbranche und hat im Rahmen ihrer neuen Tätigkeit in der FACT Consulting 2014 die Ausbildung zur Assessorin Unternehmensqualität absolviert. Nach erfolgreicher Hospitation 2015 begleitet sie seither Assessments zum Staatspreis Unternehmensqualität. Vom Thema „Excellence“ überzeugt, wirkt sie auch aktiv an der Entwicklung neuer Produkte im Bereich Unternehmensqualität und an der Verbreitung des Excellence-Gedankens mit. Sie steht gerne für weitere Infos bezüglich Unternehmensqualität oder EFQM zur Verfügung.

www.fact-consulting.com

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