05. Okt 2022

Erfahrungsbericht von Mario Mauracher

Was ist für eine*n Assessor*in drin?

qualityaustria Assessorinnen oder Assessoren für Unternehmensqualität (Excellence) analysieren und bewerten Unternehmen mit Hilfe des EFQM Excellence Ansatzes. Hierbei werden besondere Stärken identifiziert und Potenziale in den Unternehmen aufgedeckt. In diesem kurzen Beitrag erklärt Ihnen Mario Mauracher, warum es sich seinen Erfahrungen nach lohnt, Assessor*in zu werden.

Das klingt bereits sehr interessant, aber was ist der Grund, dass ich seit acht Jahren ein paar Tage meines Jahresurlaubs einsetze, um ein Assessment durchzuführen? Ich kann verraten, dass es nicht an einer hohen Bezahlung liegt und es ist völlig in Ordnung, dass wir von einer Aufwandsentschädigung sprechen, denn ein Assessment bietet wesentlich mehr.

Warum jedes Jahr Urlaub für ein Assessment investieren?

Stellen Sie sich vor, Sie bekommen die Chance, bei einem der besten Unternehmen einen Tag zu verbringen und diesem alle Fragen über ihren Erfolg stellen zu können. Stellen Sie sich vor, Sie kommen in diese Unternehmen und führen ihnen anhand einer externen Sichtweise ihre eigenen Stärken vor Augen und können teilhaben, wenn Mitarbeiter*innen mit stolzer Brust sagen, sie arbeiten gerne in diesem Unternehmen. Stellen Sie sich vor, Sie zeigen diesen bereits hervorragenden Unternehmen Potenziale auf, in denen sie noch weiter wachsen können. Das sind Gründe, die mich jedes Jahr motivieren, erneut ein Assessment im Staatspreis Unternehmensqualität zu machen.

Assessment ≠ Audit ≠ Prüfung: Ein Potenzial für eigenes Wachstum

Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn ich die Aufregung der Unternehmen erkenne und versuche, sie zu beruhigen, dass wir sie im Zuge des Assessments nicht besuchen kommen, um sie zu prüfen. Natürlich, am Ende gibt es eine Punktebewertung, aber wir leben in einer Gesellschaft, in der es wichtig ist, sich selbst mit anderen zu vergleichen und auch selbst besser zu erkennen, ob man Fortschritte gemacht hat.

Wenn es keine Prüfung ist, was ist ein Assessment dann? Ich finde den Vergleich mit dem Johari-Fenster sehr gut, indem das Selbstbild und das Fremdbild einer Person betrachtet werden. Im Assessment bieten wir als Assessor*innen an, das Selbstbild mit dem Fremdbild, das wir als Assessor*innen einbringen können, zu vergleichen und dabei die Stärken und Potenziale im Unternehmen zu identifizieren. Wer bereits die schöne Erfahrung machen durfte, jemanden zu coachen, wird wissen, wie viel man in diesem Gespräch über sich selbst und auch über die Unternehmen, in denen man tätig ist, lernt. Zu sehen, wie jemand anderes ähnliche Herausforderungen umsetzt, kann somit sehr inspirierend sein.

Nach zahlreichen Assessments in immer unterschiedlichen Branchen darf ich mir die Aussage erlauben: „Jeder kocht nur mit Wasser.“ Die Frage ist nur, wie gut und exzellent er bzw. sie das tut. Der Abschluss eines Assessments, ein kurzes Blitzlicht, ein Eindruck einer externen und unabhängigen Gruppe über das eigene Unternehmen, um sich seiner Stärken wieder bewusst zu werden und auch stolz zu sein, aber auch Potenziale für den nächsten Wachstumsschritt parat zu haben. Unternehmen, die sich einem Assessment stellen, haben erkannt, dass es wichtig ist, aus dem Daily Business auszubrechen und an sich selbst zu arbeiten, um Excellence zu erreichen. Und ich wachse mit jedem Assessment, das ich durchführen darf.

Der beste Erfolg ist geteilter Erfolg

Das trifft besonders auf ein Assessment zu. Je nach Unternehmensgröße finden sich mindestens drei Personen aus unterschiedlichen Branchen als Assessment-Team zusammen. Auch nach acht Jahren habe ich selten mit denselben Kolleg*innen ein Assessment durchgeführt. Das macht es zusätzlich interessant, die unterschiedlichen Wissensgebiete und Erfahrungen zu bündeln und das ist auch die große Stärke, die sich die Unternehmen zunutze machen können. Einen so breiten Erfahrungsschatz mit einer unabhängigen Beobachtung ist ein großer Wert, den wir als Assessor*innen dem Unternehmen bieten können.

Neben dem Erweitern des eigenen Netzwerkes um nette und wertschätzende Kolleg*innen, ist diese Konstellation zugleich eine Herausforderung. Unterschiedliche Charaktere fügen sich in kurzer Zeit zu einem Team zusammen und bearbeiten ein unbekanntes Unternehmen. Eine effiziente Arbeitsteilung, in der möglichst jede*r ihre*seine Stärken ausspielen kann, ist gefordert.

Zugleich erfolgt die Abstimmung mit dem Unternehmen, um noch offene Fragen zu klären. Es ist eine intensive Zeit für das Team, das sich auf den ein- oder mehrtägigen Besuch beim Unternehmen, dem so genannten Site Visit, vorbereitet. Ich finde es immer sehr spannend, wie sich Menschen, die sich zuvor nicht kannten, so rasch zu einem Team formen, um gemeinsam Mehrwert zu stiften. Nach dem sehr intensiven Site Visit, der meist nicht mehr als fünf mal 15 Minuten Pause zulässt, wird gemeinsam der Abschlussbericht mit allen Potenzialen und Stärken für das Unternehmen aufbereitet.

Es steckt eine Menge an Koordination, zwischenmenschlichem Verständnis und Motivation in einem Assessment, das ohne die Begeisterung der Assessor*innen und dem Support aus dem Backoffice nicht möglich wäre. Diese Erfahrung zu machen, lässt mich besonders in meiner Sozialkompetenz wachsen.

Schlussworte

Zusammenfassend kann ich nur jeder bzw. jedem diese tolle Erfahrung empfehlen, in der man selbst über sich hinauswachsen kann und zugleich Unternehmen neue Perspektiven eröffnet, um erfolgreich, nachhaltig, wertschätzend und am Ende mit Excellence am Markt aufzutreten.

Zum Autor

Mario Mauracher, BA, MSc, MSc arbeitet bei Dynatrace im Produkt Management. Mauracher hat mehr als 10 Jahre Erfahrung in den Bereichen IT und Marketing. Seit 2014 führt er Assessments nach dem EFQM Modell durch und ist bei der Quality Austria als Lead Assessor im Staatspreis Unternehmensqualität tätig.

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