Ein Transformationsbeispiel aus der Praxis
Zusammenarbeit neu gestalten
faircheck Schadenservice wurde mit dem Staatspreis Unternehmensqualität 2020 und als Exzellentes Unternehmen Österreichs ausgezeichnet. Am Excellence Day 2025 hat faircheck Good Practices in den "Inspirationen to go" geteilt.
Good und Bad Practices auf dem Weg von der hierarchischen zur agilen New Work Wertschöpfungsstruktur
"Wie gelingt es, ein traditionell geführtes Team in eine moderne, selbstorganisierte Einheit zu verwandeln?" Diese Frage stand im Zentrum der Präsentation beim Excellence Day im Juni in Wien, bei der faircheck ein Best Practice Beispiel vorstellte und im Kreis von Exzellenzexpert*innen diskutieren konnte. Die Transformation eines Backoffice-Teams zeigt beispielhaft, wie Prinzipien der Selbstorganisation und des New Work in einem mittelständischen Dienstleistungsunternehmen erfolgreich umgesetzt werden können.
Ausgangspunkt: Eigentümerwechsel als Impuls
Der Auslöser für die Veränderung war ein Eigentümerwechsel Mitte 2021. Damit verbunden war der Weggang von drei Schlüsselpersonen, eine Neustrukturierung der Zuständigkeiten sowie neue Anforderungen durch die Eingliederung in einen Konzernverbund. Diese Umbruchsituation wurde nicht als Krise, sondern als Chance begriffen – insbesondere von Eva Kasper, die aus dem Team heraus zur neuen Geschäftsführerin bestellt wurde und gemeinsam mit einem externen Geschäftsführer die Neuausrichtung initiierte. Ziel war es, das Unternehmen nach Außen zu den Interessengruppen stabil, als weiterhin neutraler Partner zu positionieren, aber intern neu organisiert und zukunftsfit auszurichten.
Der Weg zur Selbstorganisation
Die Idee zur Transformation entstand bereits im Rahmen eines Führungskräfteentwicklungsprogramms der Stadt Graz. Als agile Aufbauorganisationsstruktur wurde das Prinzip der Wertschöpfungsstruktur gewählt. Die Umsetzung erfolgte in einem mehrstufigen Change-Prozess: klassische Stellenbeschreibungen wurden durch Rollenmodelle ersetzt, Verantwortlichkeiten in den Wertschöpfungselementen klar definiert und sukzessive Aufgaben neu verteilt. Die Rollenbeschreibungen wurden transparent im Team kommuniziert und verankert.
Messbare Erfolge und stabile Beziehungen
Die Ergebnisse sprechen für sich: Es gab keine Abgänge sondern Zuwächse auf Auftraggeberseite, keine Fluktuation unter den Schadenregulierern und eine stabile Entwicklung im Backoffice. Gleichzeitig konnte ein kontinuierliches Umsatzwachstum verzeichnet werden – ein klares Zeichen für die Wirksamkeit der neuen Struktur.
Führung neu gedacht
Entscheidend für den Erfolg war die konsequente Umsetzung der Treiberfunktion durch die Mitarbeitenden. Die Führungskräfte förderten Eigenverantwortung, ermutigten zur aktiven Mitgestaltung und führten regelmäßige Zielgespräche. Dabei zeigte sich: Die Persönlichkeit der Mitarbeitenden bestimmt maßgeblich, ob und wie stark sie die Treiberrolle ausfüllen. OKR-Methoden erwiesen sich als zu komplex für den Bereich – stattdessen führten informelle Einzelgespräche im Großraumbüro zu besseren Ergebnissen.
Erkenntnisse und Empfehlungen
Ein zentrales Learning: Veränderung braucht Geduld und Fingerspitzengefühl. Die Kommunikation muss klar und kontinuierlich erfolgen, ohne das Team zu überfordern. Es gilt, den richtigen Zeitpunkt für den nächsten Schritt zu erkennen – mit offenen Augen, Ohren und einem geschulten Bauchgefühl. Der Prozess ist ein Lernweg für alle Beteiligten, insbesondere für die Führungskraft.
Ausstrahlung nach innen und außen
Die Prinzipien der Wertschöpfung haben sich über das Backoffice hinaus im Unternehmen verbreitet: Sie prägen heute die Unternehmensmission, die Kultur und sogar das Honorarsystem der Schadenregulierer („Wertschöpfungszuschlag“) sowie die Qualitätsmessung („Wertschöpfungscheck“). Nach außen wird Beständigkeit demonstriert – ein entscheidender Faktor für Vertrauen und Kundenbindung.
Fazit
Die Transformation des Backoffice-Teams bei faircheck zeigt, wie aus einem traditionell geführten Bereich eine selbstorganisierte, leistungsfähige Einheit entstehen kann. Der Weg war nicht linear, sondern geprägt von Mut, Reflexion, konsequenter Umsetzung – und vielen Lernerfahrungen. Dieses Beispiel steht exemplarisch für gelebte Unternehmensqualität – und bietet wertvolle Impulse für Organisationen, die sich auf den Weg der Exzellenz begeben wollen.
Wenn Sie mehr wissen wollen, finden Sie HIER ein Video zum Thema sowie unter dem folgenden Link weitere interessante Artikel.
Zur Autorin
Dr. Eva Kasper ist seit 2021 Geschäftsführerin der faircheck Schadenservice GmbH, Gewinnerin Staatspreis Unternehmensqualität 2020. Sie ist seit 2019 als Assessorin im Staatspreis Unternehmensqualität tätig.
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