20. Jul 2022

Faktor Zeit

Der beste Moment für ein Assessment – Teil 1

Besonders gern gelesene Artikel möchten wir in unserer Reihe "alt aber gut" wieder zur Lektüre empfehlen. Viel Spaß beim (noch einmal) Lesen!

Neue Potenziale im Unternehmen entdecken. Feedback von externen Experten ohne rosarote Brille. Einen kompakten Überblick über alle Aktivitäten im Unternehmen bekommen. Stärken stärken. Das und noch viel mehr ist der Output eines Staatspreis-Assessments. Warum also entscheiden sich nicht alle Unternehmen dafür, am Staatspreis Unternehmensqualität mitzumachen?

Argumente

„Für ein Staatspreis-Assessment Unternehmensqualität ist es in unserer Organisation noch zu früh“, „Wir befinden uns in einer Umbruch-Phase. Ein Assessment ist derzeit nicht sinnvoll“, „Wir habe derart viele Projekte im Tagesgeschäft am Laufen, dass ein Assessment frühestens in einem Jahr angedacht werden kann“ – Diese und ähnliche Argumente bringen UnternehmerInnen und leitende Angestellte in Diskussionen zum Thema „Staatspreis-Assessment Unternehmensqualität“ immer wieder ein. Die Bedenken, die auf Seiten der Organisationen letztlich gegen ein Assessment sprechen, lassen sich im Wesentlichen auf zwei Aspekte zurückführen: „Zeit“ und „Reifegrad in der eigenen Organisationsentwicklung.

Im vorliegenden Blogbeitrag beschäftigt mich die Frage nach dem besten Moment für ein Staatpreis-Assessment Unternehmensqualität. Meine Überlegungen hierzu sind aus dem Blickwinkel des „Staatspreis-Assessments als Instrument zur Organisationsentwicklung“ formuliert. Sie sind somit nicht auf jene Organisationen anwendbar, die das Staatspreis-Assessment einzig und alleine als Möglichkeit für einen Preisgewinn sehen.

Faktor Zeit

Der für ein Staatspreis-Assessment nötige Zeitaufwand ist in der Praxis nur selten ausschlaggebend dafür, dass ein Assessment nicht durchgeführt wird. Meist ist es der aus Sicht der Unternehmen „ungünstige Zeitpunkt“, der gegen ein Assessment spricht. Die hohe aktuelle Auslastung im Tages- und Projektgeschehen sowie die Durchführung spezieller Vorhaben zum jeweiligen Zeitpunkt werden diesbezüglich als Hauptargumente vorgebracht.

Blickt man in derartigen Gesprächen gemeinsam mit den UnternehmerInnen/leitenden Angestellten gedanklich in die Vergangenheit und anschließend in die Zukunft, wird schnell klar, dass es für die Durchführung eines Assessments weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft DEN optimalen Zeitpunkt gab beziehungsweise gibt. Dies deshalb nicht, da Organisationen ständig tief im Tages- und Projektgeschäft verhaftet und mit mehr oder weniger fordernden „Ausnahmesituationen“ konfrontiert sind.

Sich auf ein Assessment vorzubereiten, dieses durchzuführen und die daraus resultierenden Erkenntnisse (Verbesserungspotenziale) zu verwerten, erfordert stets Zeit. Zeit, die entweder aus dem Tages- und Projektgeschäft „abgezweigt“ oder darüber hinaus zusätzlich geleistet werden muss. Aus Sicht einer Organisation ergibt sich damit für beinahe jeden Betrachtungszeitraum eine „ungünstige“ Situation. Dass die Verwertung der Erkenntnisse aus einem Assessment das künftige Tages- und Projektgeschäft jedoch nachweislich und nachhaltig verbessern (Effizienz, Effektivität, Qualität), wird bei der Bewertung der jeweiligen Situation und bei der Entscheidung für oder gegen ein Assessment leider meist nicht berücksichtigt.

Eine Kurzgeschichte

Folgende Kurzgeschichte von Stephen Covey (ehem. Management Trainer und Beststeller Autor) ist ein hervorragendes Hilfsmittel, um den Vorteil eines Staatspreis-Assessments zu einem „scheinbar ungünstigen Zeitpunkt“ zu erklären:
Ein Spaziergänger trifft im Wald auf einen Holzfäller, der angestrengt versucht, mit seiner stumpfen Säge einen Baum zu fällen. Er stöhnt und schwitzt und hat sichtlich große Mühe. Der Spaziergänger fragt den Holzfäller: „Warum schärfen Sie Ihre Säge nicht, die ist ja ganz stumpf?“. Daraufhin antwortet der Holzfäller ohne auch nur den Kopf zu heben: „Dafür habe ich keine Zeit, ich muss doch sägen und Bäume fällen!“

Häufig gelingt es mithilfe obiger Kurzgeschichte, Organisationen (unter angepasster Nutzenerwartung) von einer Neubewertung der Entscheidungssituation für/gegen ein Staatspreis-Assessment zu überzeugen.

Scheint trotz aller bisher angeführten Argumente aus zeitlicher Sicht ein Staatspreis-Assessment für die gesamte Organisation nicht durchführbar, bleibt immer noch die Möglichkeit, lediglich einen Teil der Organisation (Standort, Organisationsbereich) einem Assessment zu unterziehen. Im Rahmen dieses „kleineren“ Assessments lassen sich Vorgehensweisen und Hilfsmittel entwickeln, die zu einem späteren Zeitpunkt ein besonders effizientes und effektives Staatspreis-Assessment für die gesamte Organisation ermöglichen.

Fazit: Es gibt (beinahe) keinen Zeitpunkt, zu welchem ein Assessment-Unternehmensqualität nicht Mehrwert stiftet. Nahezu jeder Moment ist „günstig“, um ein nutzenstiftendes Assessment durchzuführen!

HIER geht es zu Teil 2 des Artikels.

Zum Autor

Team Netzwerkpartner

Dr. Werner Schachner

Netzwerkpartner, Produktexperte Business Excellence / Unternehmensqualität (EFQM), Trainer, Lead Assessor

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