08. Nov 2023

Worauf warten wir noch?

Let’s Go Circular!

 

qualityaustria Netzwerkpartnerin Expertin Birgit Gahleiter hat einen spannnenden Artikel für fairmedia, dem Kundenmagazin der faircheck Schadenservice GmbH, geschrieben.Die aktuelle Ausgabe des faircheck-Kundenmagazins steht ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit.

Im Bewerb um den Staatspreis Unternehmensqualität 2020 wurde faircheck als Gewinner des Staatspreis Unternehmensqualität und als Kategoriesieger Kleine Unternehmen ausgezeichnet. Im Rahmen des Staatspreis Unternehmensqualität 2018 und 2019 ging faircheck jeweils als Finalist hervor.

 

 

 

Circular Economy, Kreislauffähigkeit, Zirkularität, etc.: Begriffe rund um Kreislaufwirtschaft sind im Moment vielgebrauchte Vokabel – doch was steckt dahinter? Expert*innen rund um den Globus sind sich einig, dass das Konzept der Kreislaufwirtschaft eine der wirkungsvollsten Methoden und Werkzeuge für die nachhaltige Transformation unseres Wirtschaftssystems ist.

Die grundlegenden Zielsetzungen der Kreislaufwirtschaft sind die

  • Vermeidung von Abfall, Verschmutzung und Verschwendung,
  • das Im-Kreislauf-Halten von Materialien und Produkten mit höchstmöglichem Wert und
  • der Schutz und die aktive Regeneration von Ökosystemen und Biodiversität.

Das alles ausgehend vom Wissen, dass mindestens 80% der Umweltauswirkungen eines Produkts (oder einer Dienstleistung) in der Design- und Produktentwicklungsphase festgelegt werden.

Wenn man diese Prinzipien der Circular Economy den aktuellen großen, globalen Herausforderungen wie Biodiversitätsverlust, Klimawandel oder knapper werdenden natürlichen Ressourcen gegenüberstellt, wird deutlich, dass die Kreislaufwirtschaft eben genau diese Themen adressiert und uns helfen kann, sie aktiv anzugehen und im mehrfachen Sinn „doch noch die Kurve zu kriegen“.

Wie können Unternehmen mit Kreislaufwirtschaft starten?

Unternehmen, die sich auf den Weg zu mehr Zirkularität machen wollen, sollten mit einer sogenannten Kontextanalyse beginnen. Dabei wird das Umfeld dahingehend untersucht, welche Einflüsse von außen auf das Unternehmen wirken, bzw. wie die Aktivitäten des Unternehmens sich auf das Umfeld auswirken. Dabei sollte unbedingt der gesamte Lebenszyklus der Produkte betrachtet werden – also vom Design und der Gewinnung/Abbau der Rohstoffe, dem Transport zum Produktionsstandort, über die eigentlichen Herstellungsprozesse und die Nutzungsphase bis hin zu Wiederverwendung und möglichst vollständigem Recycling als Sekundär-Material und der Nutzung als Input für die Herstellung von neuen Produkten. In jeder dieser Phasen sind Aspekte wie Energieeffizienz, Effekte auf die Biodiversität, Wasserverbrauch, Flächenbeanspruchung (Versiegelung von Böden, aber auch die sogenannte „Landnutzungsänderung“, also z. B. landwirtschaftliche Nutzung), Freisetzung von neuartigen Substanzen (Antibiotika, Mikro- und Nano-Plastik, gentechnisch veränderte Organismen, usw.), Verpackung, Transport, etc. zu berücksichtigen.

Nach der ersten Analysephase müssen die gesammelten Aspekte nach ihrer Wesentlichkeit bewertet werden – welche haben für die Umwelt die größte Bedeutung, welche wirken sich am stärksten auf das Unternehmen aus? Wenn auch dieser Schritt der Priorisierung gemacht ist, sollten Ziele zur Verbesserung der Zirkularitätsleistung gesteckt, konkrete Maßnahmen abgeleitet und umgesetzt werden.

Die Ergebnisse der Umsetzung müssen dann gemessen und bewertet werden. Dazu braucht es aussagekräftige Kennzahlen und Messgrößen, die anhand der gesteckten Ziele definiert werden. Das kann beispielsweise die Anzahl der eliminierten, durch weniger schädliche oder sogar ungefährliche Substanzen ersetzten Gefahrstoffe sein, ein um x% erhöhter Anteil an Sekundärmaterial in neuen Produkten oder die Umsatzsteigerung durch Reparatur- und Serviceleistungen.

Mit dem Vergleich der gesteckten Ziele mit den erreichten Verbesserungen und dem Setzen neuer Ziele beginnt der Verbesserungskreislauf wieder von vorne – und sollte sich immer weiter“drehen“.

Zirkulär - in Kreisläufen - denken

Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Kreislaufwirtschaft ist sicher die Kommunikation: In Mitteleuropa haben wir in der Schule und in unserem bisherigen Berufsleben gelernt, linear zu denken. Das heißt, dass wir erst lernen und vor allem üben müssen, in Kreisläufen zu denken.

Um zirkulär zu denken (und in weiterer Folge auch so zu handeln), müssen wir auch miteinander darüber sprechen können. Dafür braucht es ein weitgehend einheitliches Verständnis und eben eine gemeinsame Sprache dafür, was Kreislaufwirtschaft ist und wie sie funktionieren kann. Wir müssen innerhalb der Organisationen abteilungsübergreifend kommunizieren und zusammenarbeiten – damit die Circular Economy realisiert werden kann, sollten Produktentwickler*innen, Einkäufer*innen, Ingenieur*innen, Marketingexpert*innen, Vertriebsmitarbeiter*innen etc. über Kreislaufwirtschaft Bescheid wissen und entsprechend kooperieren. Diese Kooperation darf keinesfalls an den Unternehmensgrenzen aufhören, sondern muss entlang der Wertschöpfungskette weiter geführt werden, indem Lieferant*innen, Logistikunternehmen, Kund*innen, Verwertungsfirmen,  Recyclingbetriebe und Käufer*innen von Sekundärrohstoffen einbezogen werden. Dazu wiederum braucht es Kommunikation, Transparenz und gegenseitiges Vertrauen.

Apropos Vertrauen: Selbstverständlich dürfen und sollen die Fortschritte auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft auch nach außen und an die Konsument*innen kommuniziert werden – immer auf Basis von belegbaren, nachvollziehbaren Zahlen, Daten und Fakten, damit die Menschen auf diese Informationen vertrauen können.

Kreislaufwirtschaft funktioniert nicht nur für die produzierende Industrie: auch im Dienstleistungsbereich werden verschiedenste Werkzeuge, Materialien, Fahrzeuge, Technologien und Energie eingesetzt, deren Zirkularität und Nachhaltigkeit sicher verbessert werden kann. Und oft können Dienstleister besonders im Bereich der Bewusstseinsbildung einen wesentlichen Beitrag leisten – bei ihren Lieferant*innen und Kund*innen und selbstverständlich auch bei den eigenen Mitarbeiter*innen.

Was das Ganze mit Unternehmensqualität zu tun hat?

Was das Ganze mit Unternehmensqualität zu tun hat? Sehr viel – zum Beispiel können Sie Ihren Unternehmenswert durch Kreislaufwirtschaft steigern, weil sie durch internes und externes Recycling eventuelle Abhängigkeiten in der Lieferkette reduzieren können, weil Sie durch die Anwendung zirkulärer Prinzipien aktives Risikomanagement betreiben oder Kreislaufwirtschaft als Innovationschance verstehen und nützen. Mit einer nachhaltigen und zirkulären Unternehmensstrategie werden Sie auch attraktiver für Fachkräfte, die zunehmend auf der Suche nach „Purpose“, also einer sinnvollen, sinnstiftenden Aufgabe sind.

Die Circular Economy bietet nicht nur auf Produktebene ungeahnte Potenziale, sondern auch für die Transformation und das „Re-Think“ von Geschäftsmodellen – sei es durch die Entwicklung von Produkt-Service-Systemen, in denen der Produktnutzen bzw. das gewünschte Ergebnis im Vordergrund steht, und nicht mehr der Besitz und das physische Produkt, oder im Bereich der Sharing Economy: ein intensiver, von mehreren Menschen genutztes Produkt ist nachhaltiger als ein neu produziertes. Selbstverständlich sind auch Re-Use,  Refurbishing oder Remanufacturing von Produkten und Geschäftsmodelle rund im Sekundärmaterialien zusätzliche Chancen.

Also – worauf warten wir noch? Let’s go circular now.

Zur Autorin

Frau DI Dr.-Ing. Birgit Gahleitner ist Netzwerkpartnerin der Quality Austria und Produktexpertin für Kreislaufwirtschaft.

www.qualityaustria.com

Die Quality Austria bietet eine interessante Aus- und Weiterbildung sowie Zertifizierungen rund um das Thema Kreislaufwirtschaft.

  • Lehrgangsreihe Circular Globe Transformationscoach: HIER gibt es weitere Informationen
  • Circular Globe Umsetzungsworkshop: HIER gibt es weitere Informationen
  • Circular Globe Assessment: HIER gibt es weitere Informationen
  • Circular Globe Assessment - kompakt: HIER gibt es weitere Informationen

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