30. Mrz 2022

Der Baum als Metapher

Lebenszyklus einer Organisation

Was haben ein Baum und eine Organisation gemeinsam? Beide sind wichtige Bestandteile ihres Ecosystems, beeinflussen dieses und werden ebenso von ihm beeinflusst. Auch durchlaufen sowohl eine Organisation als auch ein Baum einen Lebenszyklus.

Das EFQM Modell ist ein auf sieben Kriterien basierendes, flexibles Modell, das dabei hilft, das Verhalten, Denken und die Kultur einer Organisation zu verstehen und zu analysieren. Es ermöglicht einen Gesamtblick auf ein Unternehmen, es gibt einen Rahmen vor, der dem Unternehmen hilft, keinen Bereich im Unternehmen zu vergessen. Man kann es auch als einzelne zueinander gewichtete Puzzleteile sehen, die zusammen ein ganzes Bild ergeben.

Das EFQM Modell teilt sich in 3 Segmente: Ausrichtung, Realisierung und Ergebnisse. Diese drei Segmente und somit die Grundsätze und Rahmenbedingungen einer Organisation lassen sich anhand der Betrachtung des Lebenszyklus einer Organisation im Vergleich zum Lebenszyklus eines Baumes gut nachvollziehen.

Lebenszyklus eines Baumes vs. Lebenszyklus einer Organisation

  • Erste Lebensphase: Der Samen geht nur auf, wenn er auf fruchtbare, lebendige Erde fällt und genügend Sonnenlicht bekommt.

Für die Organisation bedeutet das sicherzustellen, dass alle notwendigen Ressourcen verfügbar sind (z.B. gut ausgebildete Mitarbeitende und Fachkräfte, passende Internetanbindung, geographische Lage...). Die Ziele müssen klar formuliert und kommuniziert sein und mit der Vision und dem Ecosystem (als Nährboden) in Einklang gebracht werden.

  • Wachstumsphase: Der Baum wächst, er wird stabiler.

Die Strukturen der Organisation werden stabiler und richten sich aus. Die Organisation ist aus der Start-Up-Phase herausgetreten, es etablieren sich Abläufe und Routinen, die über Prozesse realisiert werden. Diese Prozesse sind formuliert, in der Organisation etabliert und werden in den wichtigen Bereichen umgesetzt.

  • Blüte: Der Baum kommt in die Kraft und blüht auf.

Die Organisation wird in gewissen Bereichen herausragend und vorbildlich – das zeigt sich in den Ergebnissen.

Der Baum als Ecosystem einer Organisation

Auch das Ecosystem einer Organisation lässt sich sehr gut mit dem Baum erklären und verdeutlichen. Hier betrachten wir wieder die drei Elemente des EFQM Modells.

WHY ... DIE AUSRICHTUNG

Warum „gibt“ es die Organisation? Welchen Zweck verfolgt und erfüllt sie? Welche Strategie verfolgt sie im Ecosystem und warum? Wie gestaltet sie Organisationskultur und Führung?

Die Ausrichtung einer Organisation beeinflusst sowohl die Realisierung als auch ihre Ergebnisse. Der Baum ist sehr wichtig für sein Ecosystem (Kriterium 1 EFQM Modell), in dem er z.B. Hänge vor dem Rutschen bewahrt oder Schatten spendet. Es ist ausschlaggebend, wie die Umgebung des Baumes aussieht. Wo steht er? Im Wald, auf einer Wiese, in einem Obstgarten?

Beim Baum zeigt sich die Ausrichtung vor allem in den Wurzeln. Ein Baum braucht, so wie eine Organisation, ausreichend Platz zum Wachsen. Er ist unter der Erde meist um ein Vielfaches größer und breiter als über der Erde. Die Wurzeln dürfen und sollten nicht beschnitten werden. Es braucht starke Wurzeln, um Unsicherheiten zu meistern – ein großer Baum mit starken Wurzeln hält auch einem Sturm stand. Baum und Wurzeln müssen zusammenpassen.

Diese Aspekte sind auch bei einer Organisation wichtig. Es müssen passende Rahmenbedingungen geschaffen werden (Kriterium 2 EFQM Modell), um rasch auf unruhige Zeiten und Herausforderungen aus dem Ecosystem zu reagieren (z.B. Zweck und Vision definieren, Governance-Struktur und Steuerungssystem implementieren – Kriterium 1 EFQM Modell).

HOW ... DIE REALISIERUNG

Wie beabsichtigt die Organisation, ihren Zweck zu erreichen und ihre Strategie umzusetzen? Wie verfolgt die Organisation die eigene Ausrichtung? Wie schafft sie es, dabei den Blick auf alle Interessengruppen zu legen (Mitarbeitende, Kund*innen, Eigentümer*innen, Aufsichtsbehörden, Gesellschaft, Lieferant*innen und Partner*innen)? Wie gestaltet die Organisation Wertschöpfung, Nutzenschaffung, Leistungssteuerung, Transformation und Innovation?

Betrachten wir wieder den Baum: Wurzeln und Teile des Stammes symbolisieren Elemente der Realisierung.

Auch Interessengruppen (Kriterium 3 EFQM Modell) lassen sich bei einem Baum feststellen. Man unterscheidet zwischen sichtbaren Interessengruppen (z.B. der Bauer, der Äpfel erntet…) und schwer erkennbaren Interessengruppen (z.B. Käfer und Insekten, die in den Ästen leben; Vögel die nisten; Regenwürmer, die den Boden auflockern;  Bewohner eines Hauses am Hang weiter unten, das durch den Baum vor Lawinen geschützt wird …). Hier erkennt man auch dass ein Baum nachhaltigen Nutzen schafft (Kriterium 4 EFQM Modell) – auch das ist eine Forderung des EFQM Modells an eine exzellente Organisation.

Zahlreiche Beispiele aus Assessments zeigen, dass ein gewisses Maß an Flexibilität in einer Organisation wichtig ist. Flexibilität wird im EFQM Modell insbesondere in Verbindung mit Transformation und Veränderungsbedarf gefordert (Kriterium 5 EFQM Modell). Es kann also bezogen auf den Baum sinnvoll sein, eine Mischung aus starren, festen Ästen zu haben, quasi als Unterbau (vergleichbar mit Prozessen in einer Organisation), von denen biegsamere Äste ausgehen, die sich rasch anpassen können und entsprechend flexibel sind. Auch in der Organisation ist es wichtig, rasch auf Veränderungen zu reagieren bzw. sie bereits zu antizipieren und so in der Organisation auf die Zukunft vorbereitet zu sein.

Wenn einem Baum ein Hindernis im Weg steht, z.B. ein Zaun, wächst ein Baum drumherum. Diese Bereitschaft zur Transformation zeigt sich auch in Organisationen. Sie müssen auf Umfeldbedürfnisse und Anforderungen reagieren, es etablieren sich Abläufe und Routinen – die Realisierung findet dann über Prozesse statt.

WHAT ... DIE ERGEBNISSE

Was hat die Organisation bisher im Vergleich zum eigenen Anspruch (Strategie) für die Interessengruppen erreicht? Was nehmen die Interessenpartner*innen wahr? Wie wird Fitness für eine erfolgreiche Zukunft gemessen?

Die Ergebnisse werden im EFQM Modell in den Kriterien 6 und 7 dargestellt: Wahrnehmungen der Interessengruppen sowie Strategie- und Leistungsbezogene Ergebnisse.

Die Baumkrone symbolisiert die Ergebnisse einer Organisation. Die Ergebnisse sind vielfältig, sie zeigen sich z.B. in Früchten und Blättern. Auch saure Äpfel können für einen Apfelstrudel verwendet werden, Fallobst für Kompott oder als Futter für Tiere. Weitere Ergebnisse, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, können sein: ein Baum spendet Schatten, er produziert Sauerstoff, Kinder spielen unter dem Baum, klettern auf Baum hinauf.

HIER erfahren Sie mehr über das EFQM Modell.

Eine fundierte Ausbildung zum EFQM Modell erhalten Sie im Lehrgang zur qualityaustria Assessorin Unternehmensqualität (Excellence). HIER können Sie sich anmelden.

Kontaktieren Sie uns gerne persönlich!

Zur Autorin

Team

Mag. Nicole Mayer, MSc

Business Development Unternehmensqualität (EFQM), Trainerin, Assessorin

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