29. Apr 2020

RADAR: Oft unterschätzt und falsch genutzt.

Keine Angst vor RADAR!

Die RADAR Logik ist ein oft unterschätztes Managementwerkzeug und zentraler Bestandteil im EFQM Modell. Mithilfe von RADAR lässt sich herausfinden, ob strategische Regelkreise im Unternehmen geschlossen werden, ob das Unternehmen im Sinne seiner Strategie agiert und es kann die Unternehmensqualität von Organisationen sowohl quantitativ als auch qualitativ bewertet werden. Richtig angewendet bietet sie einen großen Mehrwert für jedes Unternehmen. Doch wie ist die RADAR Logik im Detail aufgebaut?

In einem anderen Blog-Beitrag habe ich euch bereits einiges zur RADAR Logik erklärt. Was die RADAR Logik ist, in welcher Verbindung sie zum EFQM Modell​​​​​​​ steht und wie sie aufgebaut ist, könnt ihr in dem Beitrag RADAR hä?? nachlesen.

Heute möchte ich ein bisschen mehr ins Detail gehen. Nämlich: wie gelangt man mit Hilfe der RADAR Logik zu einer Bewertung der Unternehmensqualität? Und wie erkenne ich Stärken und Verbesserungspotenziale?

Wir wissen bereits, dass RADAR eine Abkürzung ist und für diese Begriffe steht: Results – Approach – Deployment – Assessment – Refinement (also: Ergebnisse – Vorgehen – Umsetzung – Bewertung – Verbesserung).

Diese Begriffe werden als „Elemente“ bezeichnet. Jedes dieser Elemente ist wiederum in Attribute unterteilt.

RADAR Bewertungsmatrix für Ausrichtung und Realisierung

Die Modell-Kriterien zur Ausrichtung behandeln bekanntlich Zweck, Vision und Strategie einer Organisation sowie die Organisationskultur und -führung. Die Kriterien zur Realisierung setzen den Fokus auf die Interessengruppen, das Schaffen von nachhaltigem Wert sowie das Vorantreiben der Leistungsfähigkeit und Transformation. Für die Analyse der Ausrichtung und für die Analyse der Realisierung werden zwei leicht unterschiedliche RADAR  Matrizen angewendet.

  • Das Element Vorgehen besteht für die Analyse der Ausrichtung aus dem Attribut fundiert. Für die Analyse der Realisierung kommt dann noch ein 2. Attribut hinzu, nämlich abgestimmt.
  • Beim Element Umsetzung sieht es wie folgt aus: bei Ausrichtung gibt es lediglich das Attribut eingeführt, bei Realisierung zusätzlich das Attribut flexibel.
  • Das Element Bewertung & Verbesserung ist untergliedert in die Attribute Analyse sowie Lernen & Verbessern.

RADAR Bewertungsmatrix für Ergebnisse

Auch auf Seite der Ergebnisse werden die Elemente in Attribute unterteilt.

  • Das Element Relevanz und Nutzen besteht aus den Attributen Umfang und Relevanz sowie verwendbare Daten.
  • Zum Element Leistung gehören die Attribute Trends, Ziele, Vergleiche und Fokus auf die Zukunft.

Wie wird denn nun mit RADAR bewertet?

Nun wollen wir zur Frage kommen, wie mithilfe der RADAR Logik eine Punktebewertung entsteht sowie Stärken und Verbesserungspotenziale identifiziert werden können.

Wichtig:

  • Die Attribute müssen für jedes Teilkriterium einzeln behandelt werden.
  • Das heißt also, dass jedes Teilkriterium bewertet wird.
  • Für die Kriterien zu Ausrichtung und Realisierung sehen wir uns an, wie im Unternehmen mit Vorgehen, Umsetzung sowie Bewertung & Verbesserung umgegangen wird und für die Ergebnis-Kriterien werden Relevanz & Nutzen sowie Leistung näher betrachtet (natürlich mit den untergeordneten Attributen – siehe oben).

Ein Beispiel, um es ganz einfach auf den Punkt zu bringen:

  • Wenn wir uns die Ergebnisse zur Wahrnehmung der Interessengruppen ansehen und hierbei genauer die Wahrnehmung der Mitarbeitenden, so analysieren wir, ob überhaupt sinnvolle Ergebnisse vorhanden sind und ob diese mit dem Zweck und der Strategie des Unternehmens verbunden sind.
  • Dann sehen wir uns an, ob die Daten überhaupt verwendbar sind (z.B.: Wie aussagekräftig sind sie? Sind die Zahlen aktuell oder veraltet?)
  • Und dann: Wie ist die Entwicklung? Entwickeln sich die Ergebnisse über einen strategischen Zyklus hinweg positiv? Wenn nein, kennen wir den Grund dafür und tun wir etwas, um dagegen anzusteuern?
  • Sind Ziele gesetzt? Sind diese im Einklang mit der Strategie? Werden sie erreicht? Wenn nein, warum nicht?
  • Finden relevante Vergleiche mit anderen Unternehmen statt? Wie steht das Unternehmen im Vergleich da? Gut? Schlecht?
  • Können wir darauf schließen, dass auch zukünftig gute Ergebnisse erreicht werden können? Versteht das Unternehmen die Treiber für die Leistungsfähigkeit in der Zukunft?

 

Und wie komme ich zu Stärken und Verbesserungspotenzialen?

Zu jedem Teilkriterium werden – basierend auf der RADAR Matrix – Stärken und Verbesserungspotenziale identifiziert. Für die Beurteilung sind wir immer auf der Suche nach besonders guten oder eher schwachen Bereichen im Unternehmen!

  • Haben wir gute, gehaltvolle Nachweise zu den RADAR-Attributen gefunden, so sprechen wir von Stärken.
  • Verbesserungspotenziale sind schwache/nicht erbrachte Nachweise zu den RADAR-Attributen.

Wenn wir mit dem EFQM Modell und der RADAR Logik arbeiten, dann also nicht rein defizitorientiert, sondern es nehmen die Stärken eine genauso wichtige Rolle ein. Es gilt Stärken zu stärken und Verbesserungspotenziale zu beseitigen.

Um zu einer Punktebewertung zu gelangen siehst du dir an, zu wieviel Prozent der Erfüllungsgrad erreicht ist (0 – 100%).

Möchte eine Organisation 90 – 100 % (herausragend erreicht) erzielen, muss sie durch unabhängige Nachweise proaktiv aufzeigen, dass sie als anerkanntes Vorbild im relevanten Kontext wahrgenommen wird.

Zum Schluss wird alles in Punkte umgerechnet (dafür gibt es schon zahlreiche verwendungsfertige xls-Sheets). Und das wird für alle Ergebnis-Teilkriterien durchgespielt.

 

Wie behalte ich bei der Bewertung nach RADAR bloß den Überblick?

Natürlich gibt es für die Bewertung geeignete Arbeitswerkzeuge, damit der Überblick gewahrt wird und damit wir letztendlich systematisch Stärken und Verbesserungspotenziale zu jedem Teilkriterium festhalten können und natürlich auch um zu einer Punktebewertung zu gelangen.

Puh, das klingt aber ordentlich kompliziert? Ist es in Wahrheit gar nicht. In der Theorie klingt das alles ein bisschen komplizierter als es in der Praxis tatsächlich ist.

Das EFQM Modell und die RADAR Logik werden als Bewertungsgrundlage auch im Staatspreis Unternehmensqualität verwendet. Mehr dazu könnt ihr HIER erfahren.

HIER kannst du dir dein kostenloses Exemplar des EFQM Modells downloaden.

Zur Autorin

Team

Mag. (FH) Michaela Drascher, MA (Karenz)

Operationsmanagement Unternehmensqualität (EFQM)

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