13. Apr 2022

Oder „Haben Sie schon einmal versucht mit einem Teelicht Tee zu kochen?“

Was unterscheidet ein Audit von einem Assessment? (Teil 1)

Dieses Thema ist immer aktuell - deshalb haben wir unseren Experten und Autor Wolfgang Pölz gebeten, diesen Artikel zu aktualisieren. Viel Spaß beim Lesen!

Ein paar Worte zur Einstimmung: All jene, die sich aufgrund dieses Blog Artikels erwarten (endlich) Argumente zu finden, warum Audit oder Assessment besser ist, muss ich leider gleich an dieser Stelle enttäuschen. Dieser Artikel zeigt die Unterschiede in der prinzipiellen Herangehensweise und Anwendung auf, liefert aber keine Bewertung, ob das Eine oder das Andere „besser“ ist! Zumal die Einstufung „besser“ per se völlig ungeeignet ist. Die Frage kann sinnvollerweise nur lauten: „Welches Modell ist für meine Anforderungen am zieldienlichsten."

Haben Sie bspw. schon einmal versucht mit einem Teelicht Tee zu kochen? Eher nein, aber das Warmhalten des Tees funktioniert perfekt! Es kommt – wie immer – auf den erwarteten Nutzen und den Einsatzzweck an!

Dass es unterschiedliche Arten von Audits gibt, ist – spätestens seit dem Positionspapier „Das Audit“  der Quality Austria – allseits bekannt. Um klar in den Unterschieden Audit / Assessment zu werden, fokussiert dieser Blog Artikel auf den Bereich der extern durchgeführten akkreditierten Zertifizierungsaudits für Managementsysteme. Schon die unterschiedlichen zugrunde liegenden Normenmodelle führen zu einigen inhaltlichen Unterschieden.

Die Kernfrage lautet: Wo könnten Unterschiede aufgezeigt werden?

Um dies herauszuarbeiten bieten sich die folgende Betrachtungsdimensionen an:
a) Zugrundeliegendes Organisations-Verständnis und Bewertungsgrundlage
b) Zweck (von Audit oder Assessment)
c) der Ablauf inkl. der einzelnen Schritte

 

a1) Organisationsverständnis

Wenn davon ausgegangen wird, dass Organisationen durch gemeinsam geteilte Werte zusammengehalten werden und dies – gemeinsam mit dem Kontext der Organisation – eine Basis für die Gestaltung der Vision bildet, folgt mit der Strategie die Wegbereitung, welche durch die Organisation umgesetzt wird und in der Regel zu erwünschten Ergebnissen führt.  Diese, basale Grundlogik kann, wie die Abbildung 1 zeigt, sowohl in der ISO 9001:2015 als auch dem EFQM Modell angewandt werden.

Sowohl bei Audits als auch bei Assessments werden die grundlegenden Regelkreise einer Organisation betrachtet, wenngleich modellspezifisch unterschiedliche Schwerpunkte in der Betrachtung und Bewertung gelegt werden.

a2) Grundkonzepte

Die ISO 9000ff fundiert auf sieben Grundkonzepten, welche die zentralen Haltungen einer Organisation als Grundlage für die Normerfüllung darstellen.  Das EFQM Modell, und hier hat sich seit der Ersterscheinung dieses Blogbeitrages mit der Überarbeitung des EFQM Modells im Jahr 2019 einiges getan. Der Vorrang des*der Kund*in und deren Bedürfnissen vor anderen Zielen. Die Notwendigkeit eines langfristigen, auf die Interessengruppen gerichteten Blickwinkels und der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen dem, was die Organisation tut, wie sie es tut und was sie infolge dieser Handlungen erreicht ist weiterhin zentral. Darüber hinaus streicht das in Europa entwickelte EFQM Modell nun die Bedeutung zentraler europäischer Werte wie bspw. die Charta der Grundrechte der Europäischen Union, die Menschenrechtskonvention, die europäische Sozialcharta wie auch die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 heraus. Die SDG’s werden den ISO-Managementsystemnormen zwar spezifisch zugeordnet, aber eine klare Erwartungshaltung wie im EFQM Modell, diese Wertebasis zu respektieren, auch wenn keine rechtliche Verpflichtung dazu vorhanden ist, findet sich nur im EFQM Modell.

Modellexpert*innen werden selbstverständlich spätestens jetzt einwenden, dass die 17 SDG’s als Kontext auch bei der ISO 9001 berücksichtig werden (können) und die Grundkonzepte sehr wohl klare Unterschiede im Detail und im Tiefgang aufweisen, pragmatisch kann man aber von einem vergleichbaren Grundverständnis ausgehen.

a3) Regelkreise

Den ISO-Normen und damit den Auditgrundlagen liegt die PDCA – Logik zugrunde, und zwar sowohl in der Gesamtorganisationssicht, wie auch bspw. beim Prozessverständnis. Diese PDCA-Logik bildet auch die Grundlage für die beim EFQM-Modell angewandte RADAR-Logik, wobei diese zusätzlich um hilfreiche und präzisierende Bewertungsattribute erweitert wurde.

Zum Autor

Portrait Wolfgang PölzIng. Mag.(FH) Wolfgang Pölz, MSc, MBA arbeitet als selbständiger Unternehmensberater mit Fokus Organisationsentwicklung und ist seit knapp 30 Jahren als freiberuflicher Netzwerkpartner Auditor für diverse Normmodelle und Trainer im Bereich QM-Systeme für die Quality Austria aktiv. Er führt seit über 25 Jahren Assessments nach dem EFQM Modell durch und ist von der EFQM und der Quality Austria als Assessor*innen-Trainer zertifiziert und auch im Staatspreis Unternehmensqualität als Lead Assessor tätig. Seit 2017 betreut er auch als ISO/TS 22163 (IRIS) Produktexperte der Quality Austria Unternehmen der Schienenfahrzeugindustrie. Mit mindVRexcellene® hat er unter anderem das EFQM Modell in der virtuellen Welt (VR) für Trainings und kollaborative Arbeit aufbereitet.
www.wpo.co.at

Mehr dazu im bald erscheinenden Teil 2 der Artikelreihe.

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