20. Apr 2022

Zweck und Ablauf von Audits oder Assessments

Was unterscheidet ein Audit von einem Assessment? (Teil 2)

Dieses Thema ist immer aktuell - deshalb haben wir unseren Experten und Autor Wolfgang Pölz gebeten, diesen Artikel zu aktualisieren. Viel Spaß beim Lesen!

In Teil 1 des Artikels ging es um das zugrundeliegende Grundverständnis sowie die Bewertungsgrundlage von Audits und Assessments. (HIER geht es zu Teil 1)

Nachdem beim Grundverständnis – mit etwas Abstand betrachtet – zwar Unterschiede festgestellt werden können, diese aber erst bei intensiver Betrachtung zum Tragen kommen, rückt nun der Audit- bzw. Assessmentzweck in den Brennpunkt:

b) Zweck von Audits oder Assessments

Managementsystem-Audits sind definiert als „Systematischer, unabhängiger und dokumentierter Prozess zur Erlangung von Auditnachweisen […] und zu deren objektiver Auswertung, um zu ermitteln, inwieweit die Auditkriterien […] erfüllt sind.“

„Die EFQM wurde gegründet, um nachhaltigen Unternehmenserfolg anzuerkennen, zu fördern und allen Interessenten Mittel und Wege zu nachhaltigem Erfolg aufzuzeigen.“

Während es beim Audit grundsätzlich (lt. Akkreditierung) um die binäre Feststellung der Anforderungserfüllung geht (Ja / Nein) wird beim Assessment die Frage nach dem „WIE GUT?“ bearbeitet. Der „nachhaltige Erfolg“ der bewerteten Organisation in Form eines Reifegrads auf dem Weg zur Exzellenz wird festgestellt

Natürlich wird durch am Kund*innennutzen orientierte Auditor*innen, welche die Auditphilosophie der Quality Austria verinnerlicht haben, über die Anforderungserfüllung hinausgehend im Audit substanzieller Mehrwert geleistet.

Andererseits braucht der*die Assessor*in nicht nach dem Nachweis zu suchen, kann im Assessment die Informationen der bewerteten Organisation glauben, ohne Nachweise und folgt hier auch keinem akkreditierten Verfahren.

c) Ablauf eines Audits bzw. Assessments

Beiden Verfahren ist gemein, dass durch Kommunikation Informationen von Organisationen erlangt werden, um Aussagen treffen zu können. Nachdem im Zweck der beiden Verfahren ein deutlicher Unterschied besteht, müsste sich dieser auch in der Vorgehensweise zeigen. Die ISO 19011 skizziert einen typischen Auditablauf (aus Sicht der Auditor*innen / Assessor*Innen) anhand folgender Schritte :

Es zeigen sich zwei zentrale Unterschiede:

  1. Beim Assessment steht den Assessor*innen eine Bewerbungsunterlage (auf Basis eines Fragebogens) zur Verfügung, welche einen Überblick über die zu bewertende Organisation gibt. Dabei werden als Basis folgende Themen zusammengestellt und durch Fragen folgend den EFQM Kriterien gestaltet:
    a. Zielsetzung der Organisation
    b. Produkte und Dienstleistungen der Organisation
    c. Relevante Interessengruppen der Organisation
    d. Aktueller Status zum Umfeld der Organisation
    e. Historie der Organisation
    f. Eventuell weiterführende Unterlagen wie Vision, Strategie, Produktübersicht usw.

Beim Audit stehen in der Regel mit dem Management-Handbuch ähnliche, aber mehr vorgehensorientierte Informationen zur Verfügung. Aufgrund der Revision der ISO 9001:2015 bzw. ISO 14001:2015 wird mit dem Punkt „Kontext der Organisation“ auch auf die Themen strategische Ausrichtung und Interessengruppen Bezug genommen. Bei Erstzertifizierungen ermöglicht das Stufe 1 Audit ein ausreichendes Maß an Informationen über die Organisation zur sorgfältigen Auditplanung.

2. Bei der Durchführung liegt beim Audit der Schwerpunkt auf dem Nachweis der Erfüllung der Normforderungen bzw. der Einhaltung der Managementsystem-Regelungen, während beim Assessment die RADAR-Logik im Vordergrund steht. Die Assessor*innen achten darauf, ob die vorhandenen Vorgehen mit den strategischen Zielen in Einklang stehen und die einzelnen Regelkreise: Vorgehen → Umsetzung → Messung/Bewertung → Lernen geschlossen sind bzw. ob exzellente Ergebnisse erreicht wurden.

Mit etwas Abstand betrachtet, sind die Unterschiede zwischen Audit und Assessment primär in unterschiedlichen formalen Anforderungen und der dementsprechend unterschiedlichen Haltung und Herangehensweise der Auditor*innen/Assessor*innen zu sehen.

Beiden Konzepten liegt nach der letzten Überarbeitung der ISO 9001:2015 ein ähnliches Verständnis für hochwertige Organisationen zugrunde.
Auch die Plan-DO-CHECK-ACT-Logik finden wir in beiden Modellen, im EFQM-Modell in noch deutlich verfeinerter Form mit deutlich stärkerer Ergebnis-Orientierung (WIE GUT?) und damit feiner gegliedertem Feedback.
Der zentrale Unterschied zeigt sich im Zweck (Nachweis der Normerfüllung vs. WIE GUT?/Nachhaltiger Erfolg), der damit auch zu Unterschieden in der Durchführung führt).

Die doch sehr großen Überschneidungen führen zur Frage, unter welchen Rahmenbedingungen und ob die Verbindung von Audit und Assessment möglich und sinnvoll ist und ob bzw. welche Synergien damit erzielt werden können. Die Antworten darauf finden Sie in den Blog Artikeln Synergien von Audits und Assessments Teil 1 und Teil 2, die in Bälde folgen.

Quellen:

Zum Autor

Portrait Wolfgang PölzIng. Mag.(FH) Wolfgang Pölz, MSc, MBA arbeitet als selbständiger Unternehmensberater mit Fokus Organisationsentwicklung und ist seit knapp 30 Jahren als freiberuflicher Netzwerkpartner Auditor für diverse Normmodelle und Trainer im Bereich QM-Systeme für die Quality Austria aktiv. Er führt seit über 25 Jahren Assessments nach dem EFQM Modell durch und ist von der EFQM und der Quality Austria als Assessor*innen-Trainer zertifiziert und auch im Staatspreis Unternehmensqualität als Lead Assessor tätig. Seit 2017 betreut er auch als ISO/TS 22163 (IRIS) Produktexperte der Quality Austria Unternehmen der Schienenfahrzeugindustrie. Mit mindVRexcellene® hat er unter anderem das EFQM Modell in der virtuellen Welt (VR) für Trainings und kollaborative Arbeit aufbereitet.

www.wpo.co.at

HIER geht es zu Teil 1.

Weitere News & Events

Immer topaktuell informiert

20. Apr 2022

Was unterscheidet ein Audit von einem Assessment? (Teil 2)

Zweck und Ablauf von Audits oder Assessments

Mehr erfahren
+43 1 2748747 125

Teile diesen Beitrag mit einem Freund