21. Okt 2020

3 Strategien, um Nachhaltigkeit zu erreichen

Wir brauchen mehr als technische Lösungen

Das Hauptaugenmerk der meisten Unternehmen, die ja von Menschen geführt und gelenkt werden, ist meist die Maximierung und Ausbeutung von Ressourcen und nicht die Optimierung oder gar Wirkungsorientierung des Mitteleinsatzes. Die Rahmenbedingungen für dieses Verhalten wurden leider bisher weltweit auf politischer Ebene gefördert. Denn der Frage nach dem rechten Maß in einer Massen-Konsum-Gesellschaft nachzugehen, eine andere wirkungsorientierte Lebens- und Wirtschaftsweise anzudenken, die dem übermäßigen Verbrauch und der Vergeudung von Gütern und damit Stoffen und Energie ein Ende setzt, ist in einer neoliberalen Wirtschaftswelt, wo der Markt vermeintlich alles regelt, fehl am Platz. Aufgrund der mühsamen Veränderungsprozesse, die Menschen hier durchgehen müssten, ist es politisch leichter, Energieeffizienz oder Nachhaltigkeitsberichte einzufordern.

Nachhaltigkeit im Zusammenspiel bestimmter Prinzipien

Das Thema Nachhaltigkeit ist omnipräsent. Um den Begriff besser zu fassen, ist oft von den sogenannten drei Säulen der Nachhaltigkeit die Rede: Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft. Da aller guten Dinge drei sind, gibt es wiederum drei Strategien, die darauf hinarbeiten, Nachhaltigkeit zu erreichen. Diese Strategien sind Effizienz, Konsistenz und Suffizienz. Kurz zusammengefasst, lassen sich die drei Prinzipien wie folgt beschreiben:

  • Suffizienz: Sie richtet sich auf einen geringeren Ressourcenverbrauch durch eine Verringerung der Nachfrage nach Gütern durch intelligente Lösungen.
  • Effizienz: Sie richtet sich auf eine ergiebigere Nutzung von Materie und Energie, also auf die Produktivität von Ressourcen.
  • Konsistenz: Sie richtet sich auf naturverträgliche Technologien, welche die Stoffe und die Leistungen der Ökosysteme nutzen, ohne sie zu zerstören.

Nachhaltigkeitsstrategie und ihre Prinzipien im Unternehmen

Gleich vorab ist es wesentlich, sich einmal eine Gesamtstrategie im Unternehmen zu überlegen wie z.B. Unternehmenswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Dieser Satz unter Berücksichtigung der drei genannten Prinzipien in sich birgt schon viel Zündstoff. Widerstand ist Ihnen gewiss. Dennoch ist es für uns Menschen überlebensnotwendig, eine neue Art des Wirtschaftens zu finden, in der Wachstum, Profit und Wohlstand neu definiert werden – der bereits zitierte Paradigmenwechsel.

Unser Anliegen mit eccos22® ist: Effizienz, Konsistenz und Suffizienz als Strategien nutzen, um uns weiterzuentwickeln und Wachstum zu generieren unter dem Motto „Drive profit with positive Impact“! Deshalb möchte ich gerne diese Prinzipien erläutern, damit wir eine gemeinsame Sprache entwickeln.

Die Suffizienzstrategie

In der Nachhaltigkeitsforschung steht der Begriff „Suffizienz“ für das Bemühen um einen möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch, was sich in Folge auch auf die Senkung der Kosten in Unternehmen auswirkt. Der Grundgedanke von Suffizienz-Strategien ist es, durch eine Veränderung des menschlichen Lebens- und Wirtschaftsstils Ressourcen einzusparen. Anders als die beiden fogenden Prinzipien liegt die Grundlage der Suffizienz nicht in technischen Neuerungen, sondern im Verhalten der Menschen selbst. Bei genauerer Betrachtung wird klar, dass Suffizienz nicht nur auf Verzicht beruht, sondern vielmehr die Frage nach dem rechten Maß stellt, was als unternehmerischer Impact verstanden werden kann. Suffizienz soll ein gutes Leben für alle ermöglichen und fordert dafür einen klugen Umgang mit Ressourcen, um auch für kommende Generationen eine gute Lebensgrundlage zu erhalten (Wolfgang Sachs).

Die Effizienzstrategie

Hinter dem Begriff „Effizienz" verbergen sich meist technische Lösungen: Eine neue Technik hilft, mit deutlich weniger Aufwand viel mehr Leistung zu erbringen. Der Nutzen soll dabei mindestens gleich bleiben. Ein klassisches Beispiel: die LED-Lampe, Mikro-Speicherchips oder der neue Kühlschrank – er ist größer, braucht aber nicht mehr, wenn nicht sogar weniger Energie als der alte. Effizienz ist sicherlich das in der öffentlichen Wahrnehmung bekannteste der drei Prinzipien. Es will das Verhältnis der eingesetzten Ressourcen zu den mit ihnen erzielten Ergebnissen verbessern. Umgangssprachlich formuliert lautet das Prinzip der Effizienz: „aus weniger mach‘ mehr“. Und gerade weil Effizienzsteigerungen aus technischen Innovationen hervorgehen und meistens keine Änderung des eigenen Lebensstils erfordern, erfreuen sich diese großer Zustimmung in der Bevölkerung.

Ökoeffizienz soll vor allem durch technische Innovationen und modernere Arbeitsweisen oder oft auch Prozessoptimierungen erreicht werden. Die Achillesferse der Öko-Effizienz liegt jedoch in den sogenannten Rebound-Effekten. Hierbei werden potenzielle Einsparungen, die durch effizienteres Wirtschaften realisiert werden, durch einen erhöhten Verbrauch von Ressourcen wieder aufgefressen. Ein gutes Beispiel dafür stellt der Stromverbrauch dar: wenn durch Effizienzsteigerungen aus der gleichen Rohstoff-Menge mehr Energie produziert werden kann, sinkt der Energiepreis und damit auch der Strompreis. Billigerer Strom führt jedoch häufig zu einem vermehrten Stromverbrauch. Sobald der erhöhte Verbrauch die Effizienzeinsparungen erreicht hat, schwindet also der Nutzen von Effizienzsteigerungen. Hier stößt das Prinzip der Effizienz an seine Grenzen. Bereits an diesem Punkt ist ersichtlich, dass Effizienz-Bemühungen alleine nicht zielführend für eine nachhaltige Entwicklung sind.

Die Konsistenz-Strategie

Konsistenz-Strategien beschäftigen sich mit der Vereinbarkeit von Natur und Technik. Es wird sogar von einer neuen industriellen Revolution gesprochen, welche zu einem dauerhaft nachhaltigen menschlichen Leben und Wirtschaften führen kann. Zentral ist dabei die Abkehr von der momentan vorherrschenden Industriekultur hin zu einer fruchtbaren Symbiose von Natur und Technik. Natürliche Prozesse sollen durch industrielle Prozesse nicht mehr gestört, sondern sogar gestärkt werden. Naturgefährdende Stoffe sollen in einem engen technischen Umlauf gehalten oder aussortiert werden. Intelligente Wirtschaftssysteme sollen entstehen, die ohne Abfälle auskommen – also weg von der linearen Produktwirtschaft hin zu einer Kreislaufwirtschaft. In der Öffentlichkeit hat sich das „Cradle-to-Cradle“-Prinzip bereits einen Namen gemacht. Hierbei dienen die End- und Abfallprodukte einer Produktionskette als Eingangsstoffe für die nächste, ganz nach dem Motto: „Abfall ist Nahrung“ (Michael Braungart). Der EU Green Deal basiert ebenfalls auf der Kreislaufwirtschaft, die Materialien in Produktionsläufen halten soll.

Konsistenz-Strategien erfordern keine Verringerung von Energieverbrauch oder Materialflüssen, es geht vielmehr darum, diese naturverträglich zu gestalten. Theoretisch ließe sich mit konsistentem Wirtschaften ein flächendeckender Wohlstand auf hohem Konsumniveau erreichen, der dabei noch die Umwelt schont. Diese Aussichten verhelfen Konsistenz-Strategien zu einem hohen Ansehen und einer breiten Zustimmung in der Bevölkerung. In der Tat tragen Konsistenz-Strategien einen wichtigen Teil zu einer nachhaltigen Entwicklung bei. Im Bereich der erneuerbaren Energien sind erste Konsistenz-Ansätze bereits erfolgreich. Die zentrale Herausforderung der Konsistenz-Strategie ist und bleibt ihre Machbarkeit. Es lässt sich derzeit noch nicht absehen, ob sich alle Erwartungen und Hoffnungen, die in Konsistenz-Technologien gesetzt werden, erfüllen oder jemals realisieren lassen. Aber ich denke, es wird Lösungen in absehbarer Zeit geben. Jeder erste durchdachte Schritt ist besser als keiner.

Es geht nicht immer darum, alles gleich zu wissen, sondern sich mit Themen zu beschäftigen, die die eigene Zukunftsfähigkeit und Selbstbestimmung stärken, Abhängigkeiten und Risiken minimieren.

Zur Autorin

Foto Brunhilde SchramBrunhilde Schram ist Inhaberin von ECCOStandards & more und hat gemeinsam mit dem von ihr gegründeten CSR Dialogforum (bei den Vereinten Nationen akkreditiert und im consultative status) das Management Assessment eccos22 entwickelt. Sie ist Produktverantwortliche für eccos22 und langjährige Auditorin und Assessorin bei der Quality Austria. In Oberösterreich gehört sie zu den absoluten PionierInnen im Bereich Nachhaltigkeit. Mit zahlreichen Ausbildungen u.a. in den Bereichen Export, Organisationsentwicklung, transnationale Entwicklung, Human Resources, systemisches Coaching verfügt sie über ein breites Spektrum an Wissen, das in eccos22 eingeflossen ist und in ihre Arbeit als eccos22 Assessorin einfließt.

www.eccos22.com

HIER gibt es nähere Informationen zu eccos22.

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